Intelligente Stadtentwicklung ist gefragt

Der Grosse Rat hat die Aufteilung der Zonenplanung in drei Beschlüsse beschlossen. Gegen die beiden Stadtrandentwicklungen Ost und Süd wurde wie angekündigt das Referendum ergriffen. Wie kann sich Basel weiterentwickeln?

Die Gesamtrevision der Basler Zonenplanung ist ein wegweisendes Geschäft für die Entwicklung Basels in den nächsten 15 Jahren. Der aktuelle Zonenplan stammt aus dem Jahr 1988 und muss dringend revidiert werden. So hat Basel zum Beispiel bis heute keine Naturschutzzonen und keine geschützten Naturobjekte verbindlich im Zonenplan festgelegt. Mit der Neuauflage werden verschiedene Grünzonen sowie Natur- und Landschaftsschutzzonen eingeführt. Der vom Stimmvolk angenommene Gegenvorschlag zur Familiengarteninitiative wird im neuen Plan verbindlich umgesetzt. Und mit speziellen Vorschriften und einzelnen Zonenänderungen wird die künftige Nutzung spezieller Orte, wie zum Beispiel der Langen Erlen, geklärt. So weit, so gut und unbestritten.

Ja zum neuen Raumplanungsgesetz bedeutet Entwicklung der Städte
Doch der neue Zonenplan enthält einen grossen und schweren Brocken: die Stadtrandentwicklungen. Damit dem erst in den letzten Jahren gebrochenen Trend der Abwanderung aus Basel weiter entgegengewirkt werden kann, sollen neue Gebiete an den Stadträndern erschlossen werden. Dies ist nicht grundsätzlich abzulehnen, denn die Stadtränder auszuweiten, ist raumplanerisch immer noch sinnvoller, als auf die grüne Wiese zu bauen. Diese Einsicht hat das Schweizer Stimmvolk mit dem deutlichen Ja zum neuen Raumplanungsgesetz eindrücklich bewiesen. Die beiden Vorschläge zur Stadtranderweiterung «Am Walkeweg» und Nordwest sind somit unbestritten. Sie sollen für gut 1000 Personen Wohnraum bieten. Die beiden grossen Projekte Süd und Ost stossen jedoch bereits heute auf grosse Vorbehalte. Anstatt den Fokus auf die Umnutzungen von Büroräumen oder grösseren Arealen und innere Verdichtung sowie auf unausgeschöpfte Ausbaupotenziale im bestehenden Siedlungsgebiet zu legen, werden hier zwei bisher unüberbaute Gebiete geopfert. Und dies mit aus nachhaltiger Sicht schlechten Projekten.
An der Predigerhofstrasse und an der Giornicostrasse sollen die bisherigen Siedlungsbegrenzungen aufgebrochen werden. Auf fünf Hektaren Landwirtschaftsland sollen sich künftig 250 Personen ausbreiten. Im Gebiet Grenzacherstrasse/Allmendstrasse bis zur Stadtgrenze Hörnli soll ein Stadt-Landschafts-Park mit bis zu elf verstreuten Hochhäusern entstehen. Beides Konzepte, die aus meiner Sicht die Anforderungen an eine kompakte und haushälterische Siedlungsplanung nicht erfüllen.

Moderne Stadtentwicklung braucht andere Modelle
Es wird schwierig, in Basel Akzeptanz für die Überbauung von so grossen Freiflächen zu finden. Das zeigt der Widerstand aus Quartierbevölkerung, Naturschutz und anderen, der sich bereits formiert hat. Das ist auch richtig so. Denn das Potenzial von Umnutzungen und der inneren Siedlungsverdichtung ist bei weitem nicht ausgeschöpft. Dagegen könne der Staat nichts machen, die Privaten seien nicht bereit, ihre Bauparzellen besser auszunutzen – wird argumentiert. Ein tatsächliches Problem. Deshalb braucht es vorbildhafte und innovative Ideen. Mit der Diskussion im Grossen Rat zum neuen Zonenplan ist in jedem Fall – unabhängig der Entscheide, die der Rat trifft – die Debatte nicht beendet. Ideen, wie Hausbesitzer motiviert werden können, ihren Dachstock auszubauen, eine Etage aufzustocken oder mit neuen Wohnmodellen mehr Personen auf derselben Fläche Wohnraum zu bieten, sind jetzt gefragt. Wenn wir dieses innere Potenzial intelligent und pionierhaft nutzen, wird sich Basel in Zukunft für seine moderne, menschen- und naturfreundliche Stadtentwicklung rühmen können. Verfallen wir den alten Mustern, sind wir nicht besser als die vielen Zersiedlerkantone, die den heutigen Siedlungsbrei in der Schweiz zu verantworten haben.

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