Effektivität - nicht Effizienz

Effizienz ist, wenn Sie 100 paar Schuhe in absoluter Rekordzeit schnüren. Effektivität ist, wenn Sie die richtigen zwei Schuhe schnell binden und die nächste sinnvolle Arbeit ausführen.

Die Schweiz hat sich vor einer Woche weniger Ausländer verordnet. Wie die Kontingente umgesetzt werden, ist jetzt Aufgabe der Politik und lamentieren dürfen andere. Die Wirtschaft erhielt vom Volk unschöne Rahmenbedingungen, unsere Aufgabe ist es, damit umzugehen. Wollen wir, dass die Schweiz den Wohlstand beibehält, gilt es, die Ärmel hochzukrempeln und die richtigen Dinge zu tun. Wir müssen nicht bei “Wetten dass” 100 paar Schuhe schnellstmöglich binden können, stattdessen müssen wir unsere Abläufe optimieren. Überflüssige Arbeiten sind abzubauen, damit wir Leute freisetzen, die in Zukunft an wichtigeren Orten gebraucht werden. Denn eines ist klar, die Alterung der Bevölkerung wird unerbittlich zuschlagen. Allein in den nächsten 15 Jahren gehen 600’000 Lehrer in der Schweiz in Pension. Durch Nachwuchs sind diese Lehrer nicht im Ansatz zu ersetzen und über Kontingente wohl auch nicht. Wollen wir die Qualität der Ausbildung behalten oder gar verbessern, bleibt uns nichts anderes übrig, als die Schule effektiver zu gestalten. Mit weniger Lehrpersonal mehr zu erreichen. Und dies müssen wir in allen Bereichen schaffen.

Es gilt ab sofort zu entscheiden, was bringt der Schweiz mehr: Wenn wir die Leute in der Landwirtschaft schufen lassen oder wenn sie in Firmen arbeiten, die exportieren und Steuern bezahlen, statt Subventionen zu beziehen. Es gilt Landwirtschaftsbetriebe zusammenzulegen und bestimmt nicht, den Bauern namhafte Kontingente zuzuteilen. Wir müssen fragen, wie viel Staat braucht es. Wie viele Beamte darf Bern weiterhin beschäftigen, wie viele die Kantone und wie viele die Gemeinden. Es braucht dabei nicht den Nachtwächterstaat - dafür ist in der Schweiz wohl keine Mehrheit zu finden - aber es braucht von jedem Beamten die aufrichtige Frage an sich selbst, ist das, was ich mache sinnvoll? Muss ich diesen meinen eigenen Garten wirklich verteidigen. Wie können wir über die Gemeinde- und Kantonsgrenze hinaus zusammenarbeiten, um Kosten und Personal zu sparen. Denn auch viele Beamte werde in naher Zukunft in Pension gehen und auch diese können nicht annähernd ersetzt werden. Genauso wie die öffentliche Hand muss auch die Privatwirtschaft sich auf mehr Effektivität einstellen. Was internationale Firmen längst gewohnt sind, muss auch lokal gemacht werden. Optimierung der Abläufe. Und was ausgerottet werden muss, sind solche Skandale wie im Wallis. Die Arbeitslosenkassen zugunsten der Firmenkasse bluten zu lassen, ist nicht nur eine bodenlose Frechheit, wir können uns solches auch nicht mehr leisten.

Es ist die Aufgabe von Unternehmen, Führungskräften und Mitarbeitern Modelle zu finden, wie wir den Leuten so viel Freude am Job bieten können, dass sie bereit sind, über das Pensionsalter hinaus aktiv zu bleiben. Frauen, die gut ausgebildet sind, benötigen einen einfachen Einstieg in die Berufswelt, wenn sie sich Familienzeit genommen haben. “Made in Switzerland” muss überdacht werden. Warum nicht vermehrt Operationen, Rehas usw. im Ausland durchführen lassen? Wie können wir Handelshemmnisse abbauen, um das Leben von Herr und Frau Schweizer günstiger zu machen. Effektivität kommt in Zukunft vor Bequemlichkeit.

Wenn wir die Bilateralen behalten können - und das ist entscheidend - dann können die Kontingente das stärkste Revitalisierungsprogramm der Schweiz seit der Öffnung zur EU von 2000 und dem starken Franken seit 2007 sein. Spass werden viele Menschen daran nicht haben. Denn manch eine geschützte Werkstatt und Branche wird dem rauhen Wind der Veränderung ausgesetzt und es bleibt kein Stein auf dem anderen. Die Chance liegt aber darin, dass wir den Effektivitäts-Schritt machen, bevor andere Länder in Europa durch die Alterung der Bevölkerung dazu gezwungen werden.

Ich halte den Entscheid von vor einer Woche immer noch für grundfalsch. Die Schweiz hat sich ein riesiges Eigentor geschossen. Lamentieren bringt aber nichts. Es ist, wie es ist. Machen wir das Beste daraus. Krempeln wir die Ärmel hoch, damit es uns in Zukunft so gut geht, wie es uns heute geht. Das ist auch mit Kontingenten möglich.

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