SVP Initiative - das Ende der Demokratie?

Ganz ehrlich, man mag von der Initiative halten was man will. Mit viel grösserem Entsetzen musste ich zur Kenntnis nehmen, dass der Geist der Demokratie durch die Linken mal wieder mit Füssen getreten wird. Fehlt es hier lediglich an der Fähigkeit, Niederlagen hinnehmen zu können, oder sind wir bereits auf ein so tiefes Niveau gesunken, dass man nicht mehr auf politischer Ebene argumentieren will, sondern immer gleich auf die Strasse gehen und seiner Wut in Form von Sachbeschädigungen Ausdruck verleihen muss? Ok, das waren wie bei Tanz-Dich-Frei das Resultat einiger weniger Staatsfeinden. Trotzdem fällt der respektlose Umgang mit dem Souverän auf, der gestern an der Urne lediglich sein verdientes Recht in Anspruch genommen hat, seinen Teil zur Mitbestimmung unserer Politik beizutragen.

Die Aussagen ranghoher Politiker, "es handle sich hier wohl um gewisse Ängste in der Bevölkerung", zeugen von stark fehlendem Charakter und gänzlich wenig Respekt unserer Politik unserem Volk gegenüber. Welch hellseherischen Fähigkeiten muten sich da einige Politikerinnen und Politiker nur zu? Und selbst wenn es tatsächlich Angst gewesen wäre, welche die Menschen dazu bewegte, ein JA einzuwerfen - in welcher Form wäre dies verwerflich? Man könnte möglicherweise darüber diskutieren, ob das tatsächlich nur diffuse Ängste waren, sollte es sich hier um einige wenige Individuen handeln, die das empfinden. Es sind aber über 50% aller, welche sich zu diesem heiklen Thema meldeten, welche scheinbar in irgendeiner Form nicht mit der aktuellen Situation zufrieden sind. Diese Meinung gilt es ohne wenn und aber zu respektieren, genauso wie ich als überzeugter Autofahrer mit etwas Grummeln den Entscheid zur Kenntnis nahm, mich in den nächsten paar Jahren an den 10 Mrd. für die gute FABI beteiligen zu dürfen. Gehe ich nun deswegen auf die Strasse und spreche von "Ängsten der Trämmlifahrer"? Nein! Ich respektiere das Ja, für welches sich eine glasklare Mehrheit entschieden hat und beteilige mich daran.

So, nun noch 1-2 Worte zu gewissen Anschuldigungen die ich gestern lesen musste. Rassisten seien wir, die Befürworter. Halt! Meine Frau ist aus Südamerika. Ich arbeite in einem amerikanischen Konzern. Vieler meiner Freunde sind aus Asien, Amerika, ja selbst aus Albanien. Ich reise jedes Jahr mehrmals in der Weltgeschichte rum, in erster Linie um fremde Kulturen kennenzulernen. Gerade bin ich in Sotchi und erfreue mich einer Horizonterweiterung grösster Güte. Nach meinem Studium habe ich 2 Jahre lang in Vietnam Englisch unterrichtet. Und ich habe Ja gestimmt! Laut vielen sei ich nun ja ein Rassist! Um Gottes Willen! Ich mahne dazu, im Glashaus mit Steinen zu werfen. Betrachtet man nämlich die Definition von Rassismus, stellt man schnell fest, dass dieser verwerflichen Tat der Begriff der Verallgemeinerung zugrunde liegt. Ist die Aussage, "Wer JA gestimmt hat sei ein Rassist" somit nicht auch ein kleines bisschen rassistisch? Genug mit der Philosophie.

Fakt ist, ich bezeichne mich als sehr weltoffenen Menschen - und trotzdem gelingt es mir, mich über das Abstimmungsresultat zu freuen. Warum?
Für mich hat diese Initiative nur sehr entfernt etwas mit Ausländern zu tun. Es geht in erster Linie um Eigenverantwortung. Ich bin mir sicher, hätte die Masseneinwanderungsinitiative stattdessen "Initiative zur Selbstbestimmung des Niederlassungskontingents" geheissen, wäre das Resultat noch viel klarer ausgefallen und das Theater wäre nur halb so gross. Es geht wie gesagt darum, dass die Schweiz selber entscheiden kann. Wie die Schweiz dann effektiv entscheidet, ist noch lange nicht klar! Es ging den Initianten in erster Linie darum, etwas Abstand zum sinkenden Schiff mit der Aufschrift EU zu gewinnen, für welches einige (Ex-Bundesrätin MCR z.B.) noch gerne ein Kollektivticket kaufen würde, auch nachdem der Eisberg bereits eine riesige Schramme in den Schiffsrumpf gerissen hat.

57 Kommentare


Diskutieren Sie mit!

Bei Politnetz legen wir Wert auf einen konstruktiven Austausch. Bitte bleiben Sie beim Thema und respektieren Sie andere Personen. Lesen Sie unsere Diskussionsregeln.