Hohle Empörungskultur 2.0

Ob es wie jüngst um die Verrechnung von Gewinnen mit dem Verlustvortrag, die Optimierung von Unternehmenssteuern (Ammann) oder um Verteilungsfragen generell geht - in den letzten Jahren hat sich in der Schweiz eine neue Empörungskultur herausgebildet.

An Firmen und an Individuen werden dabei die höchsten moralischen und ethischen Anforderungen gestellt - wer diese nicht kompromisslos erfüllt, wird medial vernichtet. Auf den ersten Blick könnte man meinen: toll, da zeigt sich das Korrektiv der Medien auf eine neue Weise.

Das Problem dahinter ist aber, dass einerseits die Themen nicht in der Tiefe behandelt werden, die notwendig wäre. Sehr schnell werden moralische Urteile gefällt, ohne die Hintergründe zu verstehen. Daraus abgeleitet werden oftmals Forderungen nach Regulierung. Dass staatliche Regulierung oftmals kontraproduktiv wirkt wird ausgeblendet - schliesslich muss etwas getan werden, um die Empörung zu lindern.

Was für mich aus solchen Diskussionen bleibt, ist ein fahler Nachgeschmack. Sind die zahlreichen empörten in ihrem Privat- oder Geschäftsleben denn selber die grossen Vorbilder, als die sie sich in der (Halb-) Öffentlichkeit gerne darstellen? Heiligt der (soziale, ethische, moralische) Zweck die Mittel? Selbst wenn der Zweck nicht einmal erreicht wird?

Aus meiner Erfahrung sind oftmals jene, die am lautesten schreien auch jene, die selber am meisten zu verstecken haben.

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