Abtreibung: Die Verantwortung beginnt bei der Partnerwahl

Tränenüberströmt liegt Julia auf ihrem Bett, eingegraben in ihre Decke. Ihr Freund hat ihr soeben am Telefon mitgeteilt, dass er nichts mehr mit ihr zu tun haben will. Sie solle ihn endlich in Ruhe lassen, hat er sie angeschrien. Dabei ist sie doch schwanger!

Julia ist völlig verzweifelt. Sie begutachtet ihren Bauch. Er wölbt sich nur ein klitzekleines bisschen, wie nach Weihnachten. Mit ein wenig „Zumba“ verschwindet das normalerweise wieder. Doch sie weiss, so einfach ist es dieses Mal nicht. Sie sei doch erst achtzehn, mitten in der Ausbildung, warum lässt man sie mit einer solchen Entscheidung alleine?

„Er war doch so nett!“

Sie haben sich auf dem Dorffest kennengelernt. Sofort hat er ihr vorgeschwärmt, wie wunderschön sie sei. Und obwohl er sie gar nicht kannte, betonte er immer wieder, wie verliebt er sei. Er ist gross und hat kurze, schwarze Harre. Grünfunkelnde Augen. Seine muskulösen Oberarme kommen vom Gewichtheben und vom Basketball spielen, hat er ihr erzählt. Ihre Freundinnen waren alle neidisch, als sie erwähnte, dass er sie um en Date gebeten hat. Er hat sie mit dem Mustang seines Vaters abgeholt. Sie gingen ins Kino. So wirklich auf den Film haben sie sich aber nicht konzentriert. Es war das erste Mal, dass sie einen Jungen geküsst hatte, naja so wirklich richtig. Später lud er sie noch auf eine Cola ein und fragte, ob sie noch zu ihm kommen wolle, er habe „sturm“. Anfangs zögert sie zwar, aber dann überlegte sie sich: „Warum nicht er. Er ist doch so lieb.“

Frauen, die sich von Männern verarschen lassen, sind selber schuld

Nun könnte sie sich ohrfeigen für diese Dummheit. Warum hat sich nur auf einen eingelassen, der nur an ihrem Körper interessiert war? Nach dem ersten Date trafen sie sich noch ein paar Mal, aber er war irgendwie anders. Und dann meldete er sich einfach nicht mehr. Auf ihre Anrufe reagierte er nicht. Das aller Schlimmste, es geht ihr immer wieder durch den Kopf, wieso hat sie nicht verhütet, sie hat ihn einfach machen lassen, sie hat ihr Gehirn ausgeschaltet.

Julia ist wütend, sie ist stinksauer, auf diesen Scheisskerl, der sich einfach aus seiner Verantwortung stiehlt. Aber eigentlich weiss sie, es ist ihre Schuld. Sie hätte nicht einfach so mit ihm ins Bett hüpfen sollen. Sie hätte herausfinden soll, ob er es ernst mit ihr meint. Eigentlich ist es doch bekannt, Männer wollen Sex. Man muss nachdem besonderen Ausschau halten.

Leben

Das Leben bedeutet Julia etwas. Darum isst sie ja auch kein Fleisch. Sie möchte nicht, dass ein Tier leiden muss und getötet wird, nur damit sie etwas auf den Tisch hat. Wie kann sie da selber töten? Sie weiss, es könnte schwierig werden, doch sie steht zur ihrer Verantwortung und entscheidet sich für das Leben.

Dieser Artikel erschien auch in der «Zürcherin». Einem Online-Magazin mit einer klassisch liberalen, oder anders ausgedrückt, libertären Ausrichtung.

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