Schweizer Löhne so hoch wie nie zuvor! Das Märchen vom "Lohndumping".

Die Gegner der Personenfreizügigkeit behaupten im Vorfeld der Abstimmung über die “Masseneinwanderungsinitiative”, die Personenfreizügigkeit habe zu Lohndumping geführt und die Kaufkraft der Arbeitnehmenden habe abgenommen. Die Fakten zeigen, dass das Gegenteil der Fall ist: Die Reallöhne sind in den letzten 5 Jahren stark gestiegen. Noch nie haben Schweizerinnen und Schweizer so viel verdient wie heute!

Peter Schlemihls Politblog

Starker Anstieg der Reallöhne seit 2008

Grafik 1: Entwicklung der Reallöhne 1992-2012

Wie die obige Grafik zeigt, sind die Reallöhne in der Schweiz von 2008 bis 2012 um über 5% gestiegen, seit Einführung der Personenfreizügigkeit im Jahr 2002 gar um fast 7,5%. Im Gegensatz dazu waren die Löhne von 1992 bis 2000, also in den Jahren nach dem EWR-Nein, sogar leicht gesunken.

Auch Medianlöhne in allen Berufsgruppen gestiegen

Kritiker könnten jetzt natürlich einwenden, es handle sich bei der von mir dargestellten Reallohnentwicklung um Durchschnittslöhne und es hätten nur wenige Reiche profitiert, währenddem die Mehrheit der Arbeitnehmenden leer ausgegangen sei. Diese Behauptung kann anhand der Entwicklung der Medianlöhne nach Berufsgruppen widerlegt werden. Beim Medianlohn handelt es sich um denjenigen Lohn, bei dem 50% der Arbeitnehmenden mehr und 50% weniger verdienen.

Grafik 2: Entwicklung Medianlöhne nach Berufsgruppen

Die obige Abbildung zeigt, dass die Medianlöhne in allen Berufsgruppen seit Einführung der Personenfreizügigkeit angestiegen sind; teilweise massiv. 2001 lag der Medianlohn bei einem Vollzeitpensum noch bei rund 71’000 Franken pro Jahr, 2006 waren es schon rund 75’000 Franken und 2012 über 80’000 Franken.

Auch die niedrigen Löhne sind gestiegen

Schliesslich zeigen die Fakten auch, dass immer weniger Arbeitnehmende in der Schweiz bei einem Vollzeitpensum brutto weniger als 52’000 Franken pro Jahr (das entspricht bei 13 Monatslöhnen 4’000 Franken pro Monat) verdienen. Waren es 2001 noch über 21% und 2006 noch rund 18%, so waren es 2012 nur noch rund 13%.

Grafik 3: Anteil der Vollzeiterwerbstätigen mit einem Bruttojahreseinkommen von unter 52'000 Franken

Preisniveau stagniert

Jetzt könnte man einwenden, aufgrund der Teuerung, z.B. aufgrund der steigenden Wohnkosten würde die Kaufkraft der Arbeitnehmenden trotzdem sinken. Diese Behauptung wurde schon mit der Entwicklung der Reallöhne widerlegt und kann auch anhand der Entwicklung des Landesindex der Konsumentenpreise (LIK) widerlegt werden. Seit 2008 haben wir in der Schweiz ein stabiles Preisniveau. Es gilt zu betonen, dass im LIK auch die Preise für Wohnen (Gewichtung 2013: 25%) und Gesundheit (Gewichtung 2013: 15%) enthalten sind und sogar einen wesentlichen Teil des berücksichtigten Warenkorbs ausmachen.

Grafik 4: Landesindex der Konsumentenpreise (LIK) 1983 - 2013

Konsumenten profitieren von Bilateralen Verträgen

Häufig wird behauptet von den Bilateralen Verträgen mit der EU würden nur die Unternehmen profitieren. Das ist falsch! Gerade vom Abkommen über den Abbau technischer Handelshemnisse oder vom Landwirtschaftsabkommen profitieren die Konsumenten sehr stark, weil mehr EU-Produkte in die Schweiz gelangen und sie so auf ein grösseres und günstigeres Angebot zurückgreifen können. Dies zeigt sich eben auch in der Stagnation des Preisniveau in der Hochpreisinsel Schweiz.

Fazit

Die Behauptung, die Personenfreizügigkeit habe zu Lohndumping geführt, ist ein Ammenmärchen. Im Gegenteil: Die Löhne sind in der Schweiz real und nominal stark gestiegen. Von diesem Anstieg haben alle Berufsgruppen und Lohnstufen profitiert. Gleichzeitig profitieren die Konsumenten vom stagnierenden Preisniveau. Dank der Bilateralen Verträge (inkl. Personenfreizügigkeit) ist die Kaufkraft der Schweizerinnen und Schweizer so hoch wie nie zuvor.

Den vollständigen Originalartikel mit allen Grafiken finden Sie hier.

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