Überfall von der Billig: Wer einen Computer mit Internet hat, muss noch lange nicht TV-Gebühren zahlen. Doch ein Billag-Kontrolleur nimmt das nicht so genau.

Die Billag krebst zurück

An einem Novemberabend, es ist nach 19 Uhr, klingelt es zweimal an Lily Roys* (Name geändert) Wohnungstür – aber es ist nicht der Pöstler. Ein dunkel gekleideter Kontrolleur der Inkassofirma Billag hält ihr seinen Badge unter die Nase und fragt: «Haben Sie einen Computer mit schnellem Internetanschluss?» – «Ja», antwortet die Kanadierin, die nur schlecht Deutsch versteht und spricht. «Dann ist der Fall klar. Wer einen Internetanschluss hat, muss nach Gesetz Radio- und Fernsehgebühren zahlen», sagt der Billag-Mann. Mit der Radioempfangs­gebühr hat er zwar recht, die ist laut Gesetz bei schnellem Webanschluss geschuldet. Bei der TV-Gebühr unterschlägt der Kontrolleur aber, dass diese nur zahlen muss, wer zusätzlich Digital-TV-Abon­nent ist oder bei einem Gratis­an­bieter wie Wil­maa oder Zattoo registriert ist. Beides ist bei Lily Roy nicht der Fall. Der Kontrolleur füllt trotzdem ein Formular aus und hält es der jungen Frau zur Unterschrift hin. Sie unterschreibt, weil sie glaubt, sie bestätige damit nur, dass sie einen Internetanschluss hat. «Haben Sie alles verstanden?», fragt der Billag-Kontrolleur zum Abschied. «Nein, nicht wirklich», sagt die Kanadierin. «Das macht nichts. Sie bekommen einen Brief von der Billag, in dem alles erklärt ist.» Der besagte Brief entpuppt sich dann als rückwirkende Gebührenrechnung für Radio- und Fernsehempfang – für über 700 Franken. Roy schickt die Rechnung zurück mit der Begründung, sie schaue kein Fernsehen. Doch die Billag bleibt hart. Ohne weitere ­Abklärungen verfügt sie die Gebührenpflicht auch für den Fernsehempfang.

...

Was ist Ihre Meinung dazu?

25 Kommentare


Diskutieren Sie mit!

Bei Politnetz legen wir Wert auf einen konstruktiven Austausch. Bitte bleiben Sie beim Thema und respektieren Sie andere Personen. Lesen Sie unsere Diskussionsregeln.


Mehr zum Thema «Fernsehen und Rundfunk»

zurück zum Seitenanfang
  • Copyright © Politnetz AG 2009–2017
  • Impressum
Release: production