Simon Ammann mit seiner alten Bindung von 2002

Am 9. Februar greift Simona Ammann zum nächsten Olympia Gold. Der schlaue Fuchs aus dem Toggenburg wird auch dieses Jahr der Schreck der Österreicher sein. Tüftelt er doch regelmässig an seiner Bindung, seinem Anzug, seinen Skiern und trainiert er, wie die anderen, hart für Olympia. Und nun stellen Sie sich vor, per Volksentscheid verlangen wir von Simon Ammann, dass er an dieser Olympiade zurückkehrt, zu den alten Bindungen, den alten Anzügen und den Skier von 2002, als er sein erstes olympisches Gold gewann. Seine Mitbewerber dürfen selbstverständlich das neuste Material verwenden. Nur Simon Ammann steigt mit längst veralteter Technologie in den Wettkampf - er hat ja auch damals damit gewonnen. Würden Sie das wollen? Selbstverständlich nicht! Warum wollen Sie dann die Schweizer Wirtschaft in eine längst vergangene Zeit zurückschicken?

Als ich mich 1993 selbstständig machte, organisierte ich unter anderem die erste Schweizer Videospielmeisterschaft. Um in der Schweiz Werbung zu machen, fügte ich einer bekannten Videospielzeitschrift aus Deutschland Beilageblätter mit Werbung bei. Natürlich nur in den Schweizer Heften. Was war das für ein Drama. Ausfuhrbewilligung nach Deutschland, damit man die hier bedruckten Blätter einfügen konnte. Einfuhrbewilligung mit Rückzahlung und besonderer Rechnungsstellung sowie Ursprungsbestätigung der Anzeigen, damit die Blätter im Heft wieder in die Schweiz eingeführt werden durften. Ein Formularkrieg.

Als wir in Basel die lokale Meisterschaft durchführten, übernachteten wir bei einem Freund in Lörrach (D). In meiner Naivität war mein Auto gefüllt mit Videospielkonsolen, Videogames und sonstigem Material. Glücklicherweise wurden wir bei der Rückfahrt in die Schweiz nicht aufgehalten. Neben dem anfallendem Ärger und den Steuern hätten wir wohl auch noch den Auftakt zur Meisterschaft verpasst. Ich muss Ihnen nicht sagen, dass ich damals Games importierte, weil die Gesetzgebung dem offiziellen Schweizer Importeur Traummargen zubilligte und wir Konsumenten gnadenlos über den Tisch gezogen wurden.

Ja, die “guten” alten Zeiten waren komplizierte Zeiten. Umständliche Zeiten. Mühsame Zeiten. In Europa hat sich viel getan. Die Märkte wurden liberalisiert, Hürden abgebaut, Schikanen heruntergefahren. Heute funktioniert der Handel und der grenzüberschreitende Warenverkehr in Europa massiv einfacher. Dabei schreibe ich bewusst Europa und nicht EU. Die Schweiz gehört nicht zur EU, hat aber über die Bilateralen freien Zugang zum europäischen Markt. Das ist gut für die Unternehmen und gut für die Arbeitsplätze hier in der Schweiz. Denn wir haben zumindest gleichlange Spiesse. Dies will die SVP ändern. Sie will die alte Bindung von Simon Ammann zurück.

Wenn Ihnen die SVP’lern von den "guten" alten Zeiten der Kontingente vorschwärmen, sie Ihnen weiss machen wollen, dass es früher auch funktionierte, dann ignoriert die SVP, dass sich die Welt gedreht hat. Lassen Sie sich von der SVP kein X für ein U vormachen. Wir leben nicht mehr in der Zeit vor den Bilateralen. Die umliegenden Länder profitieren vom europäischen Markt und dessen Erleichterungen und wir wollen uns ins eigene Fleisch schneiden? Hoffentlich können unsere Unternehmen auch in Zukunft mit gleich langen Spiessen mithalten und Simon Ammann springt am 9. Februar mit konkurrenzfähigem Material.

Hopp Simon und Hopp Nein zur SVP-Initiative.

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