Nein zur Abtreibungsinitiative

Schon im Titel der Initiative steht, was sie will: Eine finanzielle Entlastung der Krankenversicherung durch das Streichen des Schwangerschaftsabbruchs aus der obligatorischen Grundversicherung. Doch wer glaubt, so zu sparen, irrt. Wir sollten die Solidarität mit Frauen in schwierigen Situationen stärken – die Initiative lässt sie jedoch alleine.

Die Anteil der Kosten für Schwangerschaftsabbrüche ist verschwindend klein: Es geht dabei um 0,03 Prozent der gesamten Kosten der obligatorischen Krankenversicherung; diese nehmen ab. Mit der Annahme der Initiative können also keine Prämien gesenkt werden. Im Gegenteil: Folgekosten von unsachgemäss durchgeführten Schwangerschaftsabbrüchen müssten wieder die Krankenkasse übernehmen. Dies zeigen beispielweise Erfahrungen aus Österreich, das eine Rechtslage aufweist, die dem Ziel der hiesigen Vorlagen entsprechen.

Gravierende Folgen und hohe Kosten bei „Pfusch“

Die Konsequenzen dieser Praxis sind gravierend: Bei unsachgemäss durchgeführten Schwangerschaftsabbrüchen liefern sich Frauen grossen medizinischen Risiken aus. Besonders gross ist die Gefahr, dass eine ungewollt schwangere Frau Abtreibungspillen per Internet kauft und damit wiederum ein Risiko eingeht. Gerade aus Österreich erreichen uns aber auch Meldungen von Kurpfuschern, die in regelmässigen Abständen Patientinnen unsachgemäss operieren.

Prinzip Solidarität

Im Namen der Freiheit verlangen die Initianten, „lautere“ Bürgerinnen und Bürger dürften durch ihre Krankenkassenbeiträge​ nicht gezwungen sein, Abtreibungen mitzufinanzieren. Das Problem: Wenn wir das Solidaritätsprinzip der Krankenversicherung im Grundsatz untergraben, sind weiteren Einschränkungen Tor und Tür geöffnet: Wer will dann noch das Magenband mitfinanzieren, das ein übergewichtiger Mensch braucht? Welche jungen Menschen wollen dann noch kranke Senioren mitfinanzieren?

Der weitere Vorschlag der Initianten, die Kosten für die Finanzierung von Abtreibungen seien von Patientinnen über Zusatzversicherungen zu finanzieren, ist zynisch: Keine Frau sichert sich für eine solche Entscheidung frühzeitig ab; keine Frau nimmt einen solchen Schritt in ihre Lebensplanung auf.

Die Schweiz hat eine der tiefsten Abbruchraten weltweit. Wer die Zahl weiter senken will, kann auf mich zählen. Die Initiative führt aber nicht zu weniger Abtreibungen, sondern nur zu mehr medizinisch prekären Eingriffen – wie wiederum das Beispiel Österreich zeigt, wo die Schwangerschaftsabbruchsrate auf dreimal höher als in der Schweiz geschätzt wird.

Echte Unterstützung ist gefragt

Ein Schwangerschaftsabbruch ist auch niemals Privatsache, sondern geht mindestens eine Frau, einen Mann und ein Kind an. Jede Frau in Not, die ihr ungewolltes Kind zur Welt bringt, aber auch jede Frau, welche die Schwangerschaft abbricht, braucht unsere Unterstützung. Dies ist echte christliche Nächstenliebe. Wollen wir wirklich unsere Hände in Unschuld waschen und die Frau, die vor einem schwierigen Entscheid steht, im Stich lassen? Wollen wir einer ungewollt schwangeren Frau den Zugang zur sicheren Beratung verwehren? Unser bestehendes Gesetz bietet gerade Frauen, die in schwierigen Verhältnissen leben, einen gewissen Schutz an und sichert ihnen die Solidarität der Gesellschaft zu. Die Initiative lässt jene hilfsbedürftigen Frauen mit ihrem Schicksal allein. Das ist verantwortungslos und egoistisch.

Ist die abtreibende Frau eine Sünderin? Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein. Ich werfe ihn nicht und lehne die Initiative ab.

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