Eine Abtreibung ist immer die schlechteste «Lösung»

Die Kosten für Zahnbehandlungen werden gegenwärtig von der Krankenkassen-Grundversicherung nicht übernommen. Darüber beklagt sich keiner. Im Gegenteil: Als Eltern versuchen wir, unsere Kinder so früh wie möglich dafür zu sensibilisieren, dass sie auf gesunde Zähne achten und dafür auch ihren Teil der Verantwortung übernehmen. Wieso sollte das bei Abtreibungen anders sein? Die Initiative «Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache» möchte einen Fehler im KVG-Konzept korrigieren: Von der Grundversicherung sollen Schwangerschaftsabbrüche künftig nur noch dann übernommen werden, wenn sie medizinisch indiziert sind, weil das Leben der werdenden Mutter in Gefahr ist. Schwangerschaftsabbrüche wären weiterhin erlaubt, mit dem kleinen Unterschied allerdings, dass die Betroffenen die Folgen ihres Entscheids selbst zu tragen und zu finanzieren hätten.

Kann man es überhaupt anders als stossend empfinden, dass ein Paar, das keine Kinder bekommen kann, die finanziellen Mittel für eine In-vitro-Fertilisation selbst aufbringen muss, während das KVG locker die Kosten für die 11’000 Abtreibungen übernimmt, die jedes Jahr in der Schweiz vorgenommen werden? Ist unsere Gesellschaft eigentlich krank? Wo ist der gesunde Menschenverstand geblieben? Die Initiative, über die wir am kommenden 9. Februar befinden, verhilft dem Grundsatz der Krankenkassen, wonach Pflege und Heilung im Vordergrund stehen und die Versicherten nicht zu einer brüchigen Solidarität gezwungen werden sollen, wieder zu seinem Recht.

Die Solidarität, auf die die Sozialversicherungen dringend angewiesen sind, kann dann zum Tragen kommen, wenn es um Retten, Heilen und Pflegen geht und wenn der jeweilige Eingriff den hippokratischen Eid respektiert. Eine Abtreibung, die ein werdendes Leben als «nicht lebenswert» abqualifiziert, ohne dem Kind die Chance einzuräumen, geboren zu werden, widerspricht dieser Logik diametral. Es stimmt: Eine Frau, die eine Schwangerschaftskrise durchlebt, ist zerbrechlich, sie ist auf Unterstützung und Begleitung angewiesen. Doch den Schwangerschaftsabbruch als einzig möglichen Ausweg anzubieten, ist gelogen und leichtfertig – die betroffene Frau wird die Folgen ihrer Entscheidung ein Leben lang zu tragen haben. Seien wir also konsequent und setzen wir ein klares Zeichen gegen die Banalisierung, die sich breit gemacht hat: Eine Abtreibung hat in einem KVG-Leistungskatalog nichts zu suchen.

Teenager fordern das Recht auf Selbstbestimmung, ohne sich der Tragweite ihrer Handlungen wirklich bewusst zu sein und ohne die Verantwortung übernehmen zu wollen. Im Erwachsenenalter sind die Entscheidungen überlegt und werden abgewogen. Man ist sich bewusst, dass man für sein Tun und Handeln vollumfänglich die Verantwortung übernehmen muss. Ist das nicht ein Abbild unserer heutigen Gesellschaft? Gestern noch sahen wir uns dem Willen zur Selbstbestimmung ausgesetzt, der verhinderte, dass die tatsächlichen Auswirkungen einer Abtreibung vollumfänglich bedacht werden konnten. Die Zeiten haben sich geändert, heute sind wir der Überzeugung: Wenn jemand vor der Wahl steht, eine Abtreibung vorzunehmen und diese als gangbaren Weg erachtet, so muss die Verantwortung dafür von den Betroffenen selbst übernommen werden. Es ist nicht an der Gesellschaft als Ganzer, die Verantwortung für die Abtreibungen zu übernehmen, die in diesem Land durchgeführt werden. Es ist vielmehr Sache des Paars, die Konsequenzen seiner Wahl zu tragen. Letztlich ist es eine Frage der Reife.

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