Die Fläche ist gegeben, doch die Art der Nutzung nicht

Zürich wächst. Das ist eigentlich erfreulich und spricht für die Attraktivität der Stadt. Allerdings ist die Bewegung hin zu den Zentren ein Phänomen, das weltweit beobachtet werden kann. Vor wenigen Tagen begrüsste Zürich den 400'000sten Einwohner. Damit sind wir noch immer weit vom den 440'000 Einwohnern entfernt, die anfangs der 60er Jahre in der Stadt wohnten. Weshalb es trotzdem sehr schwierig ist, eine zahlbare Wohnung in der Stadt zu finden, liegt daran, dass der Pro-Kopf-Verbrauch und damit die Nachfrage nach Wohnfläche seither von unter 30 Quadratmeter pro Person auf beinahe 50 Quadratmeter gestiegen ist. Das wiederum ist eine Folge des wachsenden Wohlstands und der abnehmenden Personenzahl pro Haushalt.

Es wird gerne argumentiert, dass der Wohnungsmarkt kein «normaler» Markt sei, da erstens die Menschen sich nicht dazu entscheiden können, nicht zu wohnen und zweitens die Fläche für Wohnraum gegeben sei. Das ist sicher nicht ganz falsch, aber eben auch nicht die ganze Wahrheit. Die Fläche ist zwar in der Tat gegeben, doch die Nutzung nicht.

In Zürich hat der Stadtrat die Revision der Bau- und Zonenordnung in Angriff genommen. Doch statt Möglichkeiten für Verdichtung und einem Mehr an Wohnraum zu schaffen, tritt der Stadtrat auf die Bremse. Das «Zürcher Untergeschosse» wird gestrichen respektive beschränkt, die Anzahl Geschosse in Arealüberbauungen in bestimmten Zonen wird reduziert und die Kernzonen ausgedehnt. Das heisst konkret: Weniger Wohnraum. Über die einzelnen Massnahmen könnte man m.E. in guten Treuen diskutieren. Beispielsweise halte ich das «Zürcher Untergeschoss» auch nicht für eine städtebauliche Bereicherung, aber wenn man die Abschaffung mit einem Vollgeschoss kompensiert hätte, wäre zumindest kein möglicher Wohnraum verloren gegangen.

Und wer eine höhere Ausnutzung erzielen möchte wird künftig zu etwas gezwungen, das «kooperative Planung» heisst. Ich möchte betonen, dass ich den Mechanismus, höhere Nutzung und dafür einen Anteil Wohnung mit Kostenmiete, durchaus begrüsse, nur bin ich der Auffassung, dass hier die Politik und die Verwaltung klare Regeln definieren sollten. Fehlen die, besteht die Gefahr von Willkür und die Resultate solcher kooperativen Planung können ganz unterschiedlich ausfallen.

Der Hochbauvorstand argumentiert gerne damit, dass die vorhandenen Reservern ausreichen, doch mir fehlt der Glaube. Die Theorie der Berechnung entspricht nicht der Praxis. Ich weiss beispielsweise, dass das Haus respektive das Grundstück, das wir bewohnen, eine deutlich höhere Ausnutzung zuliesse, aber eine Realisierung dieser Reserve ist kein wahrscheinliches Szenario.

Kein Wunder sieht sich der Stadtrat mit Kritik von links bis rechts konfrontiert und auf die Fortsetzung der Revision kann man gespannt sein.

Ein zweites Hinderniss für ein stärkeres Engagement von Privaten liegt an den hohen Baubewilligungsgebühren und der Regulierungsdichte, die beispielsweise auch von den Fachverbänden kritisiert wird (SIA, BSA, BSLA, SVI, Swiss Engineering STV u.a.). Das führt dazu, dass wichtige Vorhaben durch Rechtsmittel sehr lange blockiert werden können und die Planer wie bei der kooperativen Planung der Verwaltung ausgeliefert sind.

Ich will damit nichts gegen die städtischen Anstrengungen im Bereich des gemeinnützigen Wohnungsbaus sagen. Der Auftrag der Zürcher Bevölkerung ist klar und unbestritten. Ich halte es einfach für falsch, den gewünschten höheren Anteil an solchen Wohnungen zu erreichen, indem die Bautätigkeit der Privaten eingeschränkt oder behindert wird. Und die Frage, wer überhaupt und unter welchen Umständen solche Wohnungen erhalten soll, muss auf alle Fälle wieder einmal gestellt und beantwortet werden. Wer heute versucht, die jüngst publik gewordenen Fälle von gut betuchten Mietern in städtischen Wohnungen schön zu reden, gefährdet damit die Akzeptanz und damit Wohnpolitik der Stadt.

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