US-Einwanderungssystem hat versagt!

Im Vor­feld der Mas­sen­ein­wan­de­ru​ngs­i­ni­tia­tive pro­pa­giert die SVP das Ein­wan­de­rungs­sys­​tem der USA als Ideallösung auch für die Schweiz. Die Realität sieht an­ders aus: In­ef­fi­zi­ente Bürokratie, Fachkräftemangel und Mil­lio­nen von il­le­ga­len Ein­wan­dern. In den USA sind sich heute alle po­li­ti­schen Lager ei­nig, dass das heu­tige Ein­wan­de­rungs­sys­​tem ver­sagt hat. Und trotz­dem will die SVP in der Schweiz ein Ein­wan­de­rungs­sys­​tem nach ame­ri­ka­ni­schem Vor­bild einführen.

Peter Schlemihls Politblog

Einwand​erungsland USA

Die USA sehen sich immer noch als Einwanderungsland par excellence. So werden im Silicon Valley mehr als die Hälfte der Startups von Personen gegründet, die im Ausland geboren sind. Zudem stammt ein Viertel der in den USA registrierten Patente von Einwanderern. Eine gute Immigrationspolitik ist flexibel gegenüber den Bedürfnissen der Wirtschaft und ermöglicht sowohl gering- als auch hochqualifizierten Ausländern einen legalen Weg, um zumindest temporär im Land zu arbeiten. Von diesem Ideal ist die amerikanische Immigrationspolitik jedoch weit entfernt. Die Defizite zeigen sich etwa darin, dass 11 Millionen Menschen, darunter viele Hochqualifizierte, ein Schattendasein als Illegale fristen.

Deshalb wird in den USA wird zurzeit eine intensive politische Debatte über die Einwanderungspolitik geführt. Alle politischen Parteien sind sich dabei einig, dass das heutige System versagt hat und dringend Reformen nötig sind.

Riesiger Beamtenapparat

In den USA ist der “United States Citizenship and Immigration Services” (UCIS) mit Sitz in Washington D.C. die zentrale Einwanderungsbehörde.​ Der UCIS ist für die Bearbeitung von allen Arten von Aufenthaltsbewilligun​gen und Arbeitsbewilligungen in den USA zuständig. Der UCIS beschäftigt über 18’000 Mitarbeiter (Tendenz steigend). Für die juristische Durchsetzung, die Kontrolle und allfällige Abschiebungen ist eine weitere zentrale US-Einwanderungsbehör​de zuständig, das “US Immigration and Customs Enforcement” (ICE). Ein Grossteil der über 19’000 Mitarbeiter (auch hier Tendenz steigend) des ICE ist mit Einwanderungsfragen beschäftigt. Total beschäftigten nur die beiden zentralen US-Einwanderungsbehör​den gegen 30’000 Mitarbeitende. Das entspricht von der Grössenordnung her fast dem Umfang der gesamten Schweizer Bundesverwaltung.

Ineffiziente, unflexible und realitätsfremde Bürokratie

Im März 2013 haben sich 100 Grössen aus der US-Technologiebranche​, darunter beispielsweise die Chefs von Yahoo, Intel oder Cisco, in einem offenen Brief an den US-Senat gewandt und eine Reform des “veralteten und ineffizienten US-Einwanderungssyste​ms” gefordert. Das starre und realitätsfremde US-Einwanderungsgeset​z legt pro Aufenthaltsstatus und Einwanderungsland starre Kontingente und Quoten fest. So erhalten beispielsweise pro Jahr nur eine bestimmte Anzahl indischer Hochschulabsolventen eine Arbeitsbewilligung. Das führt zur absurden Situation, dass indische Absolventen amerikanischer Eliteuniverstitäten in den USA keine Arbeitsbewilligung erhalten und das Land nach dem Abschluss des Studiums verlassen müssen, obwohl sie auf dem Arbeitsmarkt äusserst begehrt wären.

Weiter beklagen die Unternehmer, dass Einwanderer oftmals jahrelang auf die nötigen Arbeits- und Aufenthaltsbewilligun​gen warten müssten.

Fehlende​ Fachkräfte und illegale Einwanderung

Insbesond​ere in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technologie) fehlen den USA hunderttausende von Fachkräften und Spezialisten. 40% der Universitätsabsolvent​en in diesen Fachgebieten kommen aus dem Ausland. Die Hälfte davon aus Indien oder China. Die wenigsten dürfen aber in den USA arbeiten, da die Kontingente für Indien und China meist schon Anfang Jahr ausgeschöpft sind.

Das führt dazu, dass Millionen von Fachkräften illegal in den USA leben und arbeiten und von Unternehmen aus der Technologiebranche illegal beschäftigt werden. Insgesamt 11 Millionen Menschen leben und arbeiten mittlerweile illegal in den USA. Viele von ihnen sind hochqualifiziert, werden von der amerikanischen Wirtschaft als Arbeitskräfte benötigt, erhalten wegen dem starren amerikanischen Einwanderungssystem aber keine Arbeitsbewilligung.

Fazit

Die aktuelle Debatte um das US-Einwanderungsgeset​z zeigt, Demokraten und Republikaner sind sich einig, dass das starre und ineffiziente US-Einwanderungssyste​m dringend reformiert werden muss. Uneinig ist man sich vor allem darin, was mit den 11 Millionen illegalen Arbeitskräften passieren soll. Umso unverständlich ist es, dass die SVP dieses ineffiziente und teure Einwanderungssystem in der Schweiz einführen will.

Der vollständigen Artikel finden Sie hier.

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