Abtreibungsfinanzierung - Privatsache oder Solidaritätspflicht?

In der Schweiz werden (zurzeit) Abtreibungen bei einem Arzt von der obligatorischen Grundversicherung der Krankenkasse bezahlt. Dies bringt sowohl der betroffenen Person Vorteile, vor allem wenn diese finanziell nicht gut da steht, als auch der Gesellschaft die diese Abtreibungen mit ihren Krankenkassenprämien mitfinanzieren.

Die Initiative „Abtreibung ist Privatsache“ wurde von christlich-konservativen Kreisen lanciert und hat das Ziel, die Finanzierung von Abtreibungen durch die Krankenkasse zu stoppen. Es sei moralisch und ethisch bedenklich, wenn Prämienzahler dazu gezwungen werden diese mit zu finanzieren.
Noch bedenklicher ist es hingegen diese Finanzierung zu beenden. Dies stillt zwar die moralischen und ethischen Bedenken bei einer Bevölkerungsgruppe, erzeugt jedoch Ungerechtigkeiten und eventuelles Leid bei anderen Bevölkerungsschichten. Betroffen wären vor allem jede Menschen, die sich nicht oder nicht alleine dagegen wehren können. Ich spreche vor allem von jungen Frauen in der Ausbildung, Schülerinnen und Studentinnen oder Frauen ohne Arbeitsstelle. Jene Personen also, die sonst schon finanziell schwächer dastehen oder gar in einer Notlage sind.

Wer sich zu einer Abtreibung entscheidet oder durch seine Lebenssituation dazu gezwungen wird, tut das schliesslich niemals aus „Spass“. Es erfordert einen ärztlichen Eingriff und ist vor allem psychisch eine unter Umständen mehr als nur kurzfristige Belastung.
Wenn jetzt auch noch die Finanzierung durch die Krankenkasse wegfällt, dann wird es nunmehr zu einer finanziellen Belastung, da ein Markt entsteht welcher die sozial bzw. finanziell schwächer gestellten Menschen benachteiligt oder sie gar vor den Kopf stösst. Denkbar wären vor allem Preisanstiege bei Eingriffen zur Abtreibung. Diese bewirkten unter anderem eine Art Zweiklassengesellschaft in der sich nur noch wohlhabende bzw. finanziell besser gestellte Personen diesen Eingriff überhaupt leisten könnte. Alle anderen würden in den Untergrund getrieben und müssten sich dubiosen Praktiken hingeben, was unter Umständen Gesundheit und Leben gefährdet.

Fakt ist: Eine Abtreibung ist auch heute schon kein freiwilliger, gewünschter Eingriff, sondern eine schwere Entscheidung die über eine ungewollte Schwangerschaft urteilt.

Bei den Argumenten gegen die Finanzierung muss man mit den Initianten einig sein, dass eine Schwangerschaft „keine Krankheit“ ist. Allerdings

kann

sie eine Art „Unfall“ sein und wird je nach Psyche, Lebenslage etc. der Betroffenen zu einer unzumutbaren Belastung.
Es ist denkbar einfach hier alle in einen Topf zu werfen und zu sagen „Wer dumm genug ist, dass einem so etwas passiert kann dafür auch geradestehen“. Aber zum Glück stimmt dies so natürlich nicht. Eine ungewollte Schwangerschaft kann nicht immer auf die Fahrlässigkeit vor allem junger Menschen zurückgeführt werden, auch wenn etwa 80% aller Argumente, von Befürwortern dieser Initiative mit denen ich mich unterhalten habe, in diese Richtung gehen.

Auch die erstrebten Einsparungen von einigen wenigen Millionen Franken, die weniger als ein Promille der gesamten Gesundheitskosten ausmachen, sind daher sehr klein und bringen keinen finanziellen Vorteil. Ausserdem darf sich der Normalbürger keine Hoffnungen machen, dass seine Krankenkassenprämien sinken werden, wenn Abtreibungen nicht mehr mitfinanziert werden.
Viel teurer dürften aber die Auslagen des Sozialstaates für alleinerziehende Mütter ausfallen, da diese durch ihren ungeplanten Nachwuchs in einer zu frühen Phase ihres Lebens von Studium/Ausbildung/Arbeit abgehalten würden.

Es ist klar, dass dieses Schicksal nicht jeder jungen Mutter blüht, aber es ist in höchstem Ausmass problematisch wenn im Fall der Fälle die persönliche finanzielle Lage entscheidet ob man Kinder zu bekommen hat oder nicht. Kinder zu bekommen ist das gute Recht eines jeden freien Mitbürgers, sie nicht zu bekommen aber auch.

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