"Credo quia absurdum" oder der liberale Blues von NZZ-Chefredaktor Markus Spillmann. Niggi Scherrs Wahlblog.

Drei Wochen vor den Stadtzürcher Wahlen greift NZZ-Spitzenmann Markus Spillmann persönlich in die Tasten. Obwohl er als bestbezahlter Chefredaktor der Schweiz mit 480‘000 Franken Jahreslohn knapp doppelt soviel verdient wie unsere Stadtpräsidentin, verschmäht er es nicht, in die Niederungen der Lokalpolitik herabzusteigen, wenn es um Wohl und Wehe der liberalen Sache geht.
Auf griffige Titel achtet Spillmann bei seinen Wochenend-Predigten immer besonders. Unvergessen ist sein verzweifelter Wahlaufruf für Marco Camin mit dem schönen Titel „Eine Wahl nicht ohne Qual“ vom April vergangenen Jahres. Das erinnerte verdächtig an das trotzige Christenbekenntnis „Credo quia absurdum est“ – „Ich glaube, weil es unvernünftig ist“…

Wenn Liberale sich von Linken infizieren und kaufen lassen

Vor dem 9. Februar legt der NZZ-Chef nochmals einen Zacken zu. Mit dem reisserischen Titel „Die Hand beissen, die einen füttert“ soll das (neo)liberale NZZ-Leserpublikum elektoral wachgerüttelt werden. Ganz offensichtlich hat sich Spillmann dabei vom AL-Slogan „Mit Biss“ inspirieren lassen. Was allein schon zeigt, wie stark das liberale Gedankengut mittlerweile von der Linken infiziert ist.

Tiefe Resignation schimmert denn auch im ganzen Kommentar durch: „Es lebt sich gut in Zürich. Sehr gut sogar. „little city, world class“ ist lebensfroh, ist trendy, hip und cool … Geschickt agiert hat die Linke, die im gegnerischen Lager Mehrheiten suchte und auch fand – weil dieses nicht geeint ist und dadurch seit längerem auch gerne „linker“ handelt als liberal denkt. Man beisst nicht die Hand, die einen füttert. Wer von Transferleistungen direkt oder indirekt profitiert, und das sind in Zürich nicht wenige, hat an der Veränderung des Status quo naturgemäss wenig Interesse.“

Der kleine Unterschied

Jetzt haben wir es amtlich: allzuviel Bürgerliche haben sich von Rot-Grün und von der üppigen Staatsknete korrumpieren lassen. Da gibt es nur eins: Bande der Gekauften, wachet endlich auf! Wählt liberale Politikerinnen und Politiker! Denn, so hält Spillmann allen Zweifelnden beschwörend entgegen: „Es gibt sie, sie kandidieren – und sie sind durchaus fähig dazu, in dieser Stadt in der Legislative und in der Exekutive einen Unterschied zu machen.“ Namen werden keine genannt, von der angekündigten Wende dank Top5 ist schon länger nicht mehr die Rede. Das Überlebensmotto heisst jetzt nur noch: Es lebe der kleine Unterschied!

Ein kleines Beisserchen bitte!

„Mehr Reibung in der politischen Auseinandersetzung“ - so Spillmann zum Schluss – „schadet nicht. Auch Welpen lieben die Hand, die sie füttert. Trotzdem beissen sie. Weh tut das nicht.“ Also, Leute, gebt euch einen Ruck: ein kleines Beisserchen für Links-Grün, das geht ganz schmerzlos und ohne Verlustrisiko!

P.S. Wenn die NZZ die verbliebenen Liberalen mit Welpen vergleicht, ja dann muss die FDP wirklich auf den Hund gekommen sein…

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