Wohnen - Arbeiten - Leben in Zürich: Was hat das mit Politik zu tun?

Da ich für den Gemeinderat kandidiere, bin ich momentan täglich mit Wahlmaterial, Flyern und via Social Media unterwegs. Ich treffe täglich interessierte Leute: am Wahlstand in meinem Wohnquartier, bei der Arbeit und im privaten Umfeld. Von den allermeisten erhalte ich positives Feedback, der Wahlkampf scheint bei den Leuten angekommen zu sein.

Was mir trotz allem bedenklich erscheint, ist die Wahlbeteiligung im meinem Wahlkreis 4+5 bei den letzten Gemeinde- und Stadtratswahlen. Lediglich 30 % der Wahlberechtigten gingen 2010 zur Wahl. Ganze zwei Drittel der Bevölkerung haben sich demnach nicht dazu geäussert, durch wen sie sich im Parlament und in der Regierung der Stadt Zürich vertreten sehen wollen.

Ist der Grund Desinteresse, Unwissen oder Politikmüdigkeit? Oder ist das prall gefüllte Wahl- und Abstimmungcouvert, das diese in die Haushaltungen geflattert ist, zu verwirrend oder zu wenig attraktiv? Meines Wissens wird eine Wahl- und Stimmbeteilung um die 30 % als normal hingenommen, jedenfalls von Medien, Parteien und Verwaltung.

Dabei spielt es im Alltag dann doch eine entscheidende Rolle, was im Gemeinderat entschieden wird. Wenn beim Sportamt gespart wird, werden die Kunstrasenplätze der Fussballterrains im Winter nicht mehr vom Schnee freigemacht und die Clubs müssen das Training absagen oder in Hallen ausweichen. Wenn es keine durchgehenden und sicheren Velowege gibt, sind Velofahrer im motorisierten Verkehr überdurchschnittlich von Unfällen betroffen - auch Todesfälle sind eine traurige Tatsache. Wenn es keine Wohnungen zu bezahlbaren Preisen mehr gibt, ziehen die Menschen weg, die Wohnbevölkerung in Quartieren stirbt langsam aus, dann folgt das Ladensterben - wie z.B. im Selnauquartier.

Schaffen wir es dieses Jahr, mehr Menschen dazu zu bewegen, sich an den Wahlen zu beteiligen und sie davon zu überzeugen, dass Politik einen direkten Einfluss auf ihren Alltag und ihr Leben haben?

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