Steuerbelastung in der OECD: Stark privilegierte Schweizer Aktionäre

Seit Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007 haben verschiedene OECD-Staaten ihre Steuern erhöht, um die Defizite zu reduzieren. Gemäss einer Analyse der OECD trafen diese Steuererhöhungen im Wesentlichen die Privathaushalte. In zahlreichen Ländern wurden die Steuertarife der obersten Einkommen erhöht (S. 28). Unter Verteilungsgesichtspunkten ist das eine positive Entwicklung, profitierten doch diese Klassen in der Vergangenheit vor allem von Einkommenszuwächsen. Unerfreulich aus dieser Sicht ist hingegen, dass die Mehrwertsteuer im OECD-Mittel ebenfalls angehoben wurde (S. 31). Von weiteren Steuersenkungen in Form von tieferen Gewinnsteuersätzen profitiert haben hingegen die Unternehmen (S. 25). Die Entwicklung der Schweiz in jüngster Zeit zeigt Ähnlichkeiten. Die Unternehmenssteuern sinken zwar nicht weiter. Doch um Defizite zu beseitigen, sind einige Kantone daran, die Einkommenssteuern zu erhöhen. Eine Sonderentwicklung machte die Schweiz mit der Unternehmenssteuerreform II. Weil Aktionäre mit einem Anteil von mindestens 10 Prozent an einer Firma ihre Dividenden nur noch zu 60 Prozent oder weniger versteuern müssen, ist die Steuerbelastung der Aktionäre (inkl. Gewinnsteuer) um rund ein Drittel gesunken. ). Die Steuersenkungen über das Kapitaleinlageprinzip sind dabei gar noch nicht eingerechnet. In den meisten OECD-Staaten ist diese Belastung im selben Zeitraum entweder gleich geblieben oder gestiegen (S. 26). Dass die Schweiz im Vergleich zu den meisten Ländern keine Kapitalgewinnsteuer hat, ist in diesen Vergleichen nicht einmal berücksichtigt. Diese Entwicklungen sind bei der Diskussion über die Unternehmenssteuerreform III zu berücksichtigen. Wenn jemand für die Gegenfinanzierung von Steuerausfällen belastet werden soll, sind es prioritär die Aktionäre.

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