Verlierer bei Kontingenten: die KMU’s

In den USA leben und arbeiten rund 310 Millionen Menschen in einem freien Personenverkehr. Innerhalb der USA darf jeder ohne bürokratische Hindernisse von einem “ärmeren” Staat wie Mississippi (BIP $32’967) nach Texas ziehen, wo pro Person beinahe das doppelte BIP erwirtschaftet wird ($58’099). Dies entspricht in etwa demselben Verhältnis, wie zwischen Spanien ($32’320) und der Schweiz ($56’240). Rennen in den USA deswegen alle von New Orleans nach Housten? Mit dem Auto wären es nur 5 Stunden Fahrzeit und dieselbe Sprache spricht man auch noch. Doch weit gefehlt. Selbst nach heftigen Tornados wie in New Orleans kehren die Leute in ihre Heimat zurück. Umziehen tut nur eine Minderheit. Auch in Europa wird dies nicht anders sein. Im Gegenteil. Hier wird die Wanderung durch Sprachbarrieren erschwert und von Madrid nach Zürich dauert die Autofahrt mit 15 Stunden dreimal länger. Selbst der Einmarsch in die Sozialwerke ist mit massiv höheren Hürden verbunden, als uns die Befürworter glauben machen wollen.

Aber die hohen Einwanderungszahlen in die Schweiz? Es ist für mich nachvollziehbar, dass bei einer Öffnung der Grenzen am Anfang eine grosse Zahl der Menschen auswandert. Das Abenteuer lockt, die Verheissung ist gross. Doch mit der Zeit weicht diese anfängliche Begeisterung der Ernüchterung. Aus dem Traum vom hohen Lohn in der Schweiz erwacht der Zuwanderer schon nach wenigen Monaten, wenn ihn die harte Realität der hohen Preise einholt. Die Wanderung wird sich einpendeln oder sogar abnehmen. Das sehen wir bereits jetzt, wenn eine grosse Zahl von Deutschen wieder zurückkehrt.

Und dennoch wollen wir Kontingente einführen?
Geht es nach der SVP, sollen Beamte wieder entscheiden, wer wann wo wen anstellen darf. Als ich mich vor 21 Jahren selbstständig machte, kannte ich dieses Regime noch in der Schweiz. Es war schon damals unglücklich und hinderlich. So wie ich es jetzt wieder in den USA mit unserem Surfcamp in Kalifornien erlebe. Innerhalb der USA gilt die Personenfreizügigkeit, aber für Europäer gibt es Kontingente. Nicht einmal ich darf länger als 90 Tage in Kalifornien in “meiner” Firma arbeiten.

Für unseren Surfcamp in Kalifornien ist es praktisch aussichtslos, für Europäer Kontingente zu erhalten. Würden wir Google, Apple oder Facebook heissen, uns würde man keine Hindernisse in den Weg legen. Nestlé, UBS, Novartis werden wohl wie ihre US-Kollegen bei einer Annahme der Initiative ebenfalls ohne Probleme an die gewünschten Ausländer kommen. Bei KMUs wird dies anders aussehen. Wir müssen auf einmal beweisen, dass wir keinen Inländer gefunden haben. Können Sie sich vorstellen, wie das gehen soll? Und dann, wenn wir es beweisen können und wir auch einen geeigneten Kandidaten hätten, dürfen wir ihn womöglich nicht anstellen, weil das Kontingent voll ist. Super. Vielen Dank SVP für die wirtschaftsfeindliche KMU-Politik.

Kontingente kann nur bedeuteten, weniger Arbeiter. Wenn nicht, ist die Initiative eine Mogelpackung und alle, die jetzt etwas von "massvoll", "selber steuern" usw. reden, führen Sie an der Nase herum. Wie Kontingente funktionieren, kann man schon heute sehen, wenn in der Schweiz zwei Freunde, einer aus der Türkei, einer aus der Schweiz, gemeinsam eine Firma gründen wollen. Der ETH-Doktorand aus der Türkei bekommt einfach keine Bewilligung. So schaden Kontingente dem Standort Schweiz.

Und wenn die Initiative bedeutet, weniger Leute für die Wirtschaft, wird es für uns KMUs richtig schwierig, geeignete Fachleute aus dem Ausland zu holen. Im Gegensatz zu den USA haben wir nicht 310 Millionen Menschen. In der Schweiz leben 8 Millionen und Jahr für Jahr geht eine grosse Anzahl davon in Rente. Nachwuchs wird mittelfristig ein Problem. Am 9. Februar entscheiden Sie deshalb nicht über 80’000 Einwanderer der letzten Jahre, sondern darüber, wie die Schweiz in 10 oder 20 Jahren aussehen wird. Es geht nicht um das Unwohlgefühl von heute, es geht nicht um den vermeintlichen Dichtestress und den verstopften Autobahnen. Als Stimmbürger entscheiden Sie über einen Zeitrahmen von 10, 15 oder gar 20 Jahren und wie Unternehmerfreundlich unser Land dann noch ist.

Sie sollten sich überlegen, wie sieht dieses Land aus, wenn der globale Wettbewerb zunimmt. Die Jungen länger in die Schule gehen, erst später in das Berufsleben einsteigen und es immer mehr AHV Renter gibt. Bekommen wir dann ohne bürokratischen Spiessrutenlauf die nötigen Fachkräfte oder bekommen wir sie nicht. Können wir die Pensionäre durch Nachwuchs, mehr Frauen, die wieder in den Beruf einsteigen und geeignete Ausländer ersetzen oder nicht. Wer langfristig Arbeitsplätze sichern will und uns KMUs ein geeignetes Umfeld bieten möchte, sagt am 9. Februar klar Nein zu dieser KMU-feindlichen Politik.

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