Beruf und Familie – Tagesschulen und Subjektfinanzierung erhöhen die Wahlfreiheit

Ich halte mich für einen Familienmenschen. Meine Frau und ich haben drei Kinder. Wir haben uns die Familien- und Erwerbsarbeit mit wechselnden Pensen immer geteilt – meine Frau arbeitet als selbstständige Rechtsanwältin. Wir kennen das ganze Programm: Spielgruppen, Krippen, Kindergarten, Primarschule, Sekundarschule, Gymi. Heute, wo zumindest die beiden Ältern schon im Teenageralter sind nutzen wir gemeinsame Google-Kalender und Familienchats für die Organisation des Alltags.

Nur die Horte kennen wir nicht, da unsere Kinder eine Tagesschule besuchten. Die Koordination der Zeitpläne dreier Kinder ist an sich schon eine Herausforderung, ich will gar nicht daran denken, wie wir es ohne Tagesschule geschafft hätten.

Ich halte Tagesschulen deshalb für einen wesentlichen Faktor, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Die Aufregung, dass Kinder künftig dem Mittagessen fernbleiben könnten, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Abgesehen davon, dass der Anteil der Kinder, die in Horten oder an Mittagstischen essen, stetig steigt, sind Tagesschulen auch keine Bedrohung für die Menschen, die sich für eine traditionellere Rollenverteilung entschieden haben. Auch aus Sicht der Stadt bieten Tagesschulen Vorteile. Die heute doch recht komplexe Organisation und Struktur von Schule, Betreuung und Essen könnte vereinfacht werden, was den ganzen Schulappart günstiger machen sollte. Allerdings warne ich davor, das Sparpotenzial der Umstellung auf Tagesschulen zu überschätzen. Es sind, zumindest für mich, nicht in erster Linie finanzielle Überlegungen, die mich zu einem Befürworter von Tagesschulen machen.

Natürlich gehören auch Krippen zu einem Betreuungsangebot, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglicht. Dieses zum Grossteil private Angebot scheint – vielleicht gerade deswegen – recht gut zu funktionieren. Problematisch sind meines Erachtens lediglich die subventionierten Plätze. Und zwar nicht die Tatsache, dass es subventionierte Plätze gibt, sondern deren Organisation. Ich würde eine so genannte Subjekfinanzierung (berechtigte Eltern erhalten Betreuungsgutscheine, die sie für die Krippe ihrer Wahl einsetzen können) der heutigen Objektfinanzierung (Krippen erhalten eine bestimmte Anzahl subventionierter Plätze zugeteilt, um die sich Eltern bewerben) vorziehen.

Jede Familie soll selbst für sich entscheiden, welches Model sie wählen will. Die Stadt hat dafür zu sorgen, dass auch wirklich eine Wahlmöglichkeit besteht. Subjektfinanzierte Krippen und Tagesschulen würden diese Möglichkeiten verbessern. Vermutlich gar zu günstigeren Kosten und zu besserer Qualität als das heutige Modell.

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