Selbtsbestimmung der Frauen

Die In­itia­tive „Abtreibungsfinanzier​ung ist Privatsache“, über die wir am 9. Fe­bruar 2014 ab­stim­men, will die Fi­nan­zie­rung von Schwangerschaftsabbrü​chen aus dem Leis­tungs­ka­ta­log der Grund­ver­si­che­rung​ strei­chen.

Dabei wird mit Kos­ten­ein­spa­run­g​en in der Grund­ver­si­che­rung​ ar­gu­men­tiert. Ein Weg­fall von rund 8 Mio. Fran­ken – so viel be­zah­len die Kran­ken­kas­sen heute pro Jahr für Schwangerschaftsabbrü​che – würde die Kos­ten der ob­li­ga­to­ri­schen Kran­ken­pfle­ge­ver­​si­che­rung um 0.03% ver­rin­gern. Dass dies zu einer Prämienreduktion führen würde, be­haup­ten nicht ein­mal die Befürworter der In­itia­ti­ve.

Die Fris­ten­re­ge­lung des Schwan­ger­schafts­ab​­bruchs, die 2002 mit 72% Ja-­Stim­men an­ge­nom­men wur­de, gibt allen Frauen das Recht, während der ers­ten 12 Wo­chen sel­ber über einen Schwan­ger­schafts­ab​­bruch zu ent­schei­den. Die­ses Recht soll nun min­des­tens für jene Frauen un­ter­lau­fen wer­den, die den Ab­bruch nicht sel­ber be­zah­len können. So geht das nicht. Die Grund­ver­si­che­rung​ der Kran­ken­kas­se, wel­che allen Men­schen in der Schweiz eine gute me­di­zi­ni­sche Grund­ver­sor­gung ermöglicht, be­ruht auf dem Prin­zip der Solidarität. Alle be­zah­len ihre Prämien und alle haben An­spruch auf die ge­setz­lich ga­ran­tier­ten Leis­tun­gen.

Oder sol­len wir in Zu­kunft also gemäss un­se­rer in­di­vi­du­el­len Le­bens­an­schau­ung ent­schei­den, wel­che me­di­zi­ni­schen Leis­tun­gen der Grund­ver­si­che­rung​ wir mit un­se­ren Prämien mit­fi­nan­zie­ren? Or­gan­trans­plan­ta­​tio­nen? Be­hand­lung von Rau­cher- und Al­ko­hol­krank­hei­t​en oder von Extremsport-Unfällen?​ Kom­pen­sa­tion der Fol­gen von Übergewicht? Das kann es ja wohl nicht sein. Die Grund­ver­si­che­rung​ der Kran­ken­kas­sen kann nur als so­li­da­ri­sche Ver­si­che­rung funk­tio­nie­ren. Wer ein­zelne Leis­tun­gen her­aus­bricht, gefährdet die ganze Kran­ken­ver­si­che­r​ung. Die Männer würden bei einer An­nahme der In­itia­tive aus der fi­nan­zi­el­len Mit­ver­ant­wor­tung ent­las­sen und die Frauen sol­len diese al­lein und zwar pri­vat tra­gen oder mit einer (neu­en) Zu­satz­ver­si­che­ru​ng. Dies ist nicht nur ein Schlag gegen Frauen in ärmeren und armen fi­nan­zi­el­len Verhältnissen son­dern eine Dis­kri­mi­nie­rung aller Frau­en, die durch eine un­ge­wollte Schwan­ger­schaft in eine persönliche Not­si­tua­tion ge­ra­ten. Die Frauen sol­len einen freien und persönlichen Ent­scheid tref­fen können, der nicht durch fi­nan­zi­el­len Druck be­ein­flusst wird. Dazu braucht es die Fi­nan­zie­rung des Schwan­ger­schafts­ab​­bruchs durch die Grund­ver­si­che­rung​, die so­li­da­risch durch Frauen und Männer fi­nan­ziert wird. Ein NEIN zur In­itia­tive „Abtreibungsfinanzier​ung ist Privatsache“ ermöglicht, dass die bis­he­rige bewährte und dis­kri­mi­nie­rungs­​freie Re­ge­lung bei­be­hal­ten wer­den kann.

45 Kommentare


Diskutieren Sie mit!

Bei Politnetz legen wir Wert auf einen konstruktiven Austausch. Bitte bleiben Sie beim Thema und respektieren Sie andere Personen. Lesen Sie unsere Diskussionsregeln.

35 weitere Kommentare

Mehr zum Thema «Abstimmungen»

zurück zum Seitenanfang
  • Copyright © Politnetz AG 2009–2017
  • Impressum
Release: production