Ist die Einwanderung wirklich ein finanzielles Problem?

In letzter Zeit wurde in der Schweiz viel über Ausländer diskutiert. Angeführt von der SVP erlebte die Schweiz in den letzten Jahren einen „Rechtstrend“ und so wurde die Ausschaffungsinitiative und das Minarett-Verbot national, und das Burka-Verbot im Tessin kantonal angenommen. Doch die nächste Abstimmung über eine, von der SVP lanciereten Volksinitiative steht schon vor der Tür. Die sogenannte Masseneinwanderungs-Initiative steht im Februar 2014 zur Abstimmung bereit. Diese Initiative schreibt eine Höchstzahl vor, die nicht überschritten werden darf, die die Aufnahmen von Einwanderern betrifft. Viele Schweizer befürchten, dass ein zu hoher Ausländeranteil die eigene Schweizer Identität bedrohe. Zudem glauben manche, dass (zu) viele Ausländer hohe Kosten für den Staat bzw. die Steuerzahler verursachen. Doch weshalb laufen auch die Wirtschaftsvertreter gegen diese Initiative Sturm?

Links ausgerichtete Politiker und Bürger sehen es als unsozial an, Leute in Not abzuweisen währenddessen es uns doch so gut geht. Doch dieser Punkt wird kaum der am meist diskutierte sein. Was für viel mehr Gesprächsstoff sorgen wird, ist der finanzielle Aspekt. Für Schweizer Firmen und Unternehmen sind Ausländer enorm wichtig. Diese sind, da viele in ihrer Heimat keine gute Bildung genießen konnten, für etwas schlechter bezahlte Jobs „geeignet“. Als Beispiel: Im Durchschnitt arbeiten auf einer Baustelle zu 69% Menschen ohne Schweizer Pass. Auch die berühmte Schweizer Schokolade wird zu 60% von Ausländern hergestellt. Auch SVP-Nationalrat Ernst Schibli, der für die Initiative wirbt, hat in seinem Gemüsebau fast ausschliesslich Ausländer angestellt die er mit einem absoluten Tiefstlohn bezahlt.
Ein weiterer finanzieller Aspekt sind die sogenannten Bilateralen. Die Bilateralen sind für die Schweizer Wirtschaft wichtige Verträge zwischen der Schweiz und der EU. Bei Annahme der Initiative droht der Verlust dieser Verträge, was gravierende Auswirkungen auf die Schweizer Wirtschaft hätte.
Den Schweizer Bauern würde die Annahme dieser Initiative erheblich schaden.
Die SVP entstand aus einer Fusion der Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei (BGB) und der Demokratischen Partei (DP) und gilt heute noch unter anderem als Bauernpartei. Abgesehen davon, dass viele Ausländer auf Bauernhöfen Arbeit für geringen Lohn verrichten, können viele Bauern ihre Ware, danke einem in den Bilateralen vorhandenem Handelsabkommen, auch ins Ausland exportieren. Mit dem Verlust der Bilateralen würde das Handelsabkommen aufgelöst, und der Export enorm eingeschränkt. Jeden Tag gibt es in der Schweiz im Durchschnitt 3 Bauernhöfe weniger als am Vortag. Diese Zahl würde mit höchster Wahrscheinlichkeit noch weiter steigen, wenn die Initiative angenommen würde.

Schon für das Minarett-Verbot und die Ausschaffungsinitiative hat die Schweiz viel Kritik aus der EU erhalten. Wir können es uns nicht leisten die Beziehungen zu unseren Nachbarstaaten noch weiter zu belasten, denn diese sind und bleiben sehr wichtig für die Schweizer Wirtschaft.

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