USA: Globalisierung und die Schwäche der Linken - und die Schweiz ? Globalization and the weakness of the left - and Switzerland ?

1) German Version

Dieser Beitrag enthält den Beginn eines Fadens, den ich anhand eines Interviews mit Chris Hedges auf TRNN aufgenommen habe. Dessen Spezialgebiet ist amerikanische Politik und Gesellschaft. Nach eigenen Angaben war er in seiner Jugendzeit teil jener US Superelite, die gemäss Robert Reich vor allem in den Staaten auf dem Weg sein könnte, die Politik vollständig zu übernehmen und eine Art Superkapitalismus zu installieren, die zunehmend von den Interessen grosser Konzernen geleitet wird. Dies legt nahe, Informationen aus einer persönlichen Sicht vom Innern dieser Elite zu erhalten.
Er ist ausserdem Autor des Buches Tod der liberalen Klasse:

Das Buch untersucht das Versagen der liberalen Klasse, dem Aufstieg des "Konzernstaates" und den Konsequenzen eines bankrotten Liberalismus entgegenzutreten, was die liberale Klasse gesellschaftlich unbedeutend macht und sie selbst zu der Unternehmensmacht werden lässt, der sie früher nützlich war.

Das Interview ist hier:
Die Pathologie der Reichen - Chris Hedges:
Video und Textmitschnitt
Nur das Video

Eine zentrale, kurze und streitbare Antwort auf den Titel des Beitrages ist diese:

Eine der grössten Schwächen der politischen Linken war es, keine gangbare Vision, wie eine alternative Politik und Ökonomie aussehen könnte, keine praktikable Vision des Sozialismus, hervorzubringen.

Den bisherigen Verlauf der Machverhältnisse zwischen grossen Unternehmungen und der Politik beschreibt er so:

Nun, die ganze Auffassung von freier Markt - laissez faire Kapitalismus, Glbalisierung - ist ein durchsichtiges Grundprinzip, das vollkommene Gier einer winzigen oligarchischen Klasse zulässt. Diese Klasse sorgt dafür, dass diese Ideologie an Universitäten [der USA] gelehrt wird. Speziell Ökonomen, die von dieser Theorie abweichen, sind zur Seite geschoben worden. Und dennoch liegt der antreibende Ethos dieser Ideologie darin, das Horten immensen Vermögens durch eine kleine obere Klasse, die den Ton angibt, zu rechtfertigen. (...) Die Idee, dass dadurch sowohl allen von uns gedient sei und eine neue Mittelklasse erzeugt werde, als auch Arbeiter und Familien in der dritten Welt davon profitierten, ist längst als unwahr identifiziert worden.

( Ausschnitt aus dem Interview [1], vgl. das Original in englisch )

Eine libertäre Sicht: Die Welt, wie sie ist ?
Invertierter Totalitarismus: Wachsende Konzerngewalt und politische Demobilisierung. Die Anonymität des Konzernstaates:
Gehorche: Film beruhend auf Chris Hedges "Tod der liberalen Klasse"

Was ist nun der Weg der Schweiz in diesem Zusammenhang ?

Das eigentliche Geheimnis der politischen und wirtschaftlichen Stabilität ist völlig unspektakulär: die Autonomie der Gemeinden.(...) Wer den Steuerfuss in der Hand hält, hat die Verfügungsgewalt. Ohne solche Lenkungsinstrumente an der Basis würde das System kollabieren. Die direkte Demokratie steht daher in engem Zusammenhang mit dem wirtschaftlichen Erfolg. Jedes größere Gesetzes- und Investitionsvorhaben, jede Straßenverbreiterung, der Bau der Müllverbrennungsanlage, des Fußballstadions, der Etat des Opernhauses, der Ausbau von Universitäten muss „vors Volk“. Da wird öffentlich hin und her gerechnet – und meistens als zu teuer befunden, sodass die Verwaltung regelmäßig Abstriche machen muss. Das diszipliniert ungemein.. [3]

Kurz: Subsidiarität, direkte Demokratie.

Mein grobes Fazit:
Die Video Beiträge enthalten teilweise extrem radikale Beschreibungen und Argumente von marxistischen bis zu libertären Ideologien. Mein Grundgedanke dabei ist, dass man alle Argumente zulässt und sich mit einigen wenigen auch sachlich befasst, anstatt sie von vornherein als Bedrohung zu sehen und abzulehnen. Gut möglich, dass im Fazit die Demokratieform der Schweiz in der Realität wohl eines der besten Mittel ist, um stabil und unbeschadet voranzukommen, auch, falls es mal turbulent werden sollte.

Was sind Ihre Meinungen dazu ?


2) English Version

This contribution contains the beginning of a thread, which I stumbled upon an interview with Chris Hedges, an American journalist specializing in American politics and society, on TRNN. He was brought up as a super-rich or very rich and therefore probably has some personal interior views on that topic.
The possible rise of a super elite in the U.S. installing a sort of supercapitalism, which serves the interests of big enterprises, also has been mentioned and critizied by Robert Reich.
Mr. Hedges is autor of the book Death of the Liberal Class:

The "Death of the Liberal Class" examines the failure of the liberal class to confront the rise of the corporate state and the consequences of a bankrupt liberalism, making the liberal class irrelevant to society at large and ultimately the corporate power elite they once served.

The interview is here:
The Pathology of the Rich - Chris Hedges:
Video and Text
Video alone

A short answer to the title of this contribution would be:

One of the greatest weaknesses of the left was not creating a viable vision of what an alternative politics and economy looks like, a viable vision of a socialism.

How the power contribution between big enterprises and politics has developed:

He describes the development of the power distribution between big enterprises and politics as follows:

Well, because the whole notion of the free market--laissez-faire capitalism, globalization--is a very thin rationale for unmitigated greed by a tiny oligarchic elite. And they have made sure that that ideology is taught in universities across the country. And people, especially economists, who deviate from that ideology have been pushed aside, have become pariahs. And yet the driving ethos of that ideology is really to justify the hoarding of immense amounts of wealth by a very tiny percentage of, you know, the upper ruling class. That's what it is. I mean, the whole lie of globalization, perpetuated by people who popularize it, like Tom Friedman, has already been exposed. I mean, the idea that it's going to lift all of us up and create middle-class and, you know, well-compensated working-class families in the Third World, I mean, all of it's been exposed.

( Ausschnitt aus dem Interview [1] )

A libertarian view: The world as it is ?
Inverted totalitarianism: Growing corporate power and political demobilisation.
The anonymity of the coprorate state:
Obey: Film Based on Chris Hedges "Death of the Liberal Class"

What way did Switzerland go in this context ?

Das eigentliche Geheimnis der politischen und wirtschaftlichen Stabilität ist völlig unspektakulär: die Autonomie der Gemeinden.(...) Wer den Steuerfuss in der Hand hält, hat die Verfügungsgewalt. Ohne solche Lenkungsinstrumente an der Basis würde das System kollabieren. Die direkte Demokratie steht daher in engem Zusammenhang mit dem wirtschaftlichen Erfolg. Jedes größere Gesetzes- und Investitionsvorhaben, jede Straßenverbreiterung, der Bau der Müllverbrennungsanlage, des Fußballstadions, der Etat des Opernhauses, der Ausbau von Universitäten muss „vors Volk“. Da wird öffentlich hin und her gerechnet – und meistens als zu teuer befunden, sodass die Verwaltung regelmäßig Abstriche machen muss. Das diszipliniert ungemein.. [3]

In short: Subsidiarity, direct democracy.

What are your opinions ?


Referenzen/References:
[1] TRRN Interview: The Pathology of the Rich
[2] Obey: Film Based on Chris Hedges "Death of the Liberal Class"
[3] Es geht auch anders! Cicero 2009

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