Win-Win-Situation in der Physiotherapie

Die Verhandlungsgemeinschaft der Krankenversicherer, tarifsuisse ag, hat gemeinsam mit den Leistungserbringern eine partnerschaftliche Lösung in der Physiotherapie gefunden. Seit dem 1. November 2013 können Therapeuten fünf Rappen mehr pro Taxpunkt verrechnen, im Gegenzug verpflichten sie sich ab 2015 zur systematischen Messung der Ergebnisqualität ihrer Behandlungen und zur elektronischen Rechnungsstellung. Ein Gewinn für Therapeuten, Patienten und Versicherer findet Monsieur Santé.

Der Tarifvertrag in der Physiotherapie ist ein gutes Beispiel dafür, weshalb es Tarifpartnerschaft und Wettbewerb im Gesundheitswesen braucht. Im Gegensatz dazu wurde im Nationalrat in der Herbstsession ein Postulat verabschiedet, welches die Repräsentativität dieses Vertrags kritisierte und höhere Tarife – ohne Gegenleistung – für die Physiotherapeuten einforderte.

Fünf Rappen mehr pro Taxpunkt

Dem Vertrag sind bislang knapp 1000 Physiotherapeuten angeschlossen. Dieser Anteil von 14 Prozent führt gemessen am Umsatz 20 Prozent aller physiotherapeutischen Behandlungen in der Schweiz durch. Seit dem 1. November können diese Therapeuten pro Taxpunkt fünf Rappen mehr verrechnen, was je nach Kanton einer Erhöhung von ca. fünf Prozent entspricht. Die Abrechnung erfolgt wie bisher im Tiers payant, d.h. die Patienten werden dadurch entlastet, weil die Rechnungen direkt vom Krankenversicherer bezahlt werden. Der neue Vertrag steht allen Therapeuten zum Beitritt offen.

Paketlösung mit Vorteilen für alle

Teil des Tarifvertrags ist auch eine verbindliche Messung der Ergebnisqualität (Outcome-Messung). Bereits ab 2015 könnten so Patientinnen und Patienten von einer verbrieften Qualität ihrer Therapeuten profitieren. Ebenso soll so rasch als möglich die elektronische Rechnungsstellung eingeführt werden: Die Krankenversicherer könnten so ihren Verwaltungsaufwand zugunsten ihrer Versicherten weiter senken. Ebenfalls soll auf eine Bereinigung der Tarifpositionen hingearbeitet werden, von der wiederum die Physiotherapeuten profitieren werden. Beispielsweise steht Physiotherapeuten heute im Gegensatz zu Ärzten keine verrechenbare Tarifposition für telefonische Besprechungen mit anderen Leistungserbringern zur Verfügung. Diese Ungerechtigkeit soll beseitigt werden. Auch soll die Sitzungspauschale für aufwändige Bewegungstherapie weiter gefasst und im Gegenzug ein wenig tiefer bewertet werden als heute. So könnten viele administrative Leerläufe mit den Versicherern reduziert werden.

Festsetzungen gefährden Lösung

In der Zwischenzeit haben viele Kantone in Festsetzungsverfahren eine provisorische Erhöhung der Taxpunkte in der Höhe von zwischen 4 und 11 Rappen – ohne Gegenleistung für Patienten und Versicherer – vorgeschrieben. Damit wird eine partnerschaftliche Lösung gefährdet, welche auch Qualitätsaspekte verbindlich machen will. Wegweisend wird das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts sein, ob ein systemfremdes Argument (Teuerung) tarifrelevant sein soll oder die Tarifpartnerschaft stärker gewichtet wird. In der Diskussion im Nationalrat verwies Bundesrat Alain Berset zurecht auf die im Krankenversicherungsgesetz festgelegte Vertragsvielfalt. Nur dadurch – so muss man ergänzen – ist eine Entwicklung unseres Gesundheitssystems in Richtung mehr Qualität überhaupt möglich.

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