Groteskes im Namen der "Freiheit"

Seit über 30 Jah­ren steht die Lohn­gleich­heit in der Ver­fas­sung. Durch­ge­setzt ist sie bis heute nicht. Der neueste An­satz, der so­ge­nannte Lohn­dia­log ist ge­schei­tert. Un­ter­neh­men hätten hier frei­wil­lig überprüfen las­sen können, ob sie ge­schlech­ter­dis­kr​i­mi­nie­rende Lohn­sys­teme haben oder nicht. Statt der an­vi­sier­ten 100 haben nur 40 Un­ter­neh­men mit­ge­macht. Die an­de­ren woll­ten nicht, dass die Ge­werk­schaft Ein­blick in ihr Lohn­sys­tem erhält.

Bundesrätin Sommaruga erwägt nun, die Lohngleichheit per Gesetz durchzusetzen. Doch das passt der bürgerlichen Mehrheit nicht. Die wollen „keine staatlichen Einmischung in die Lohnpolitik“ (Zitat CVP-Präsident Darbellay) und setzen weiter auf die (gescheiterte) Freiwilligkeit.

Mit anderen Worten heisst das: der Staat soll die Verfassungsbestimmung​ nicht durchsetzen! Die Unternehmen sollen freiwillig entscheiden, ob sie sich an die Verfassung halten oder nicht. Das ist zynisch und untergräbt nicht nur die Gleichberechtigung, sondern auch die Demokratie. Was nützt eine Verfassung, wenn sie nur ein zahnloser Papiertiger ist, an den sich keiner hält?

58 Kommentare


Diskutieren Sie mit!

Bei Politnetz legen wir Wert auf einen konstruktiven Austausch. Bitte bleiben Sie beim Thema und respektieren Sie andere Personen. Lesen Sie unsere Diskussionsregeln.