Von Schlankem und Aufgeblähtem

Die «Neue Luzerner Zeitung» lieferte in den letzten Tagen wieder einmal Anschauungsunterricht, wie Skandale konstruiert und dekonstruiert werden. Nicht ganz neu, aber zum richtigen Zeitpunkt vor dem Entscheid über die Steuererhöhung wurde das Stellenwachstum im Bildungsdepartement zum Thema gemacht. Gemäss Grafiken und Tabellen, in einem gross aufgezogenen Artikel, sollen alleine im Bereich Volksschulbildung in den letzten drei Jahren über 130 neue Stellen geschaffen worden sein.

Im Kommentar wird auf dieses Stellenwachstum geschossen, ein Lehrer kann sich über die Sparmassnahmen an der Front und die Verschonung der Verwaltung beklagen und nachfolgend machen sich Leserbriefschreiber Luft über die aufgeblähte Verwaltung. Der Eine findet, man könne gut und gerne 30 Prozent der Stellen einsparen, der Andere macht sich über Büroklammern-Manager lustig. Im Artikel der «Neuen Luzerner Zeitung» wird zwar die Auflösung des Stellenwachstums bereits angedeutet, aber längst nicht ausgeführt. Man erfährt, dass auch Putzpersonal oder Mensa-Angestellte zum Verwaltungspersonal zählen, dass die heilpädagogischen Schulen dazugerechnet wurden. Dies alles aber ohne die dazugehörigen Zahlen. Was im Gedächtnis haften bleibt: Eine grosse Tabelle, welche ein massives Stellenwachstum zeigt.

Nur häppchenweise wird dann zusammengetragen, was zu dieser «immensen» Verwaltung auch noch gezählt wird: Man erfährt einige Tage später, dass auch die Sozialpädagogen und die Sozialpädagoginnen zu diesen Verwaltungsstellen zählen und die effektive Zahl der Heilpädagogen und Heilpädagoginnen an den kantonalisierten Schulen. Und erst zehn Tage später kommen das Interview mit Regierungsrat Reto Wyss und wichtige Klarstellungen. Im imaginären Wasserkopf Bildungsdepartement gibt es zum Beispiel gerade mal 3.8 Stellen für die acht Gymnasien des Kantons. Eine neue Grafik zeigt jetzt, dass seit 2005 zwar tatsächlich 390 neue Vollzeitstellen dazugekommen sind, dass davon aber 270 durch solche Verschiebungen wie bei der heilpädagogischen Schulen zustande kamen. Bleibt am Schluss ein jährliches Wachstum der Bildungsverwaltung von weniger als einem Prozent. Und der Skandal um die wuchernde Verwaltung sackt wie ein Soufflé nach dem Backen in sich zusammen.

Damit wurden einmal mehr alle Ressentiments gegen das Bürokratiemonster Staat wunderbar bedient. Letztlich hat die Kampagne aber eines gezeigt: Je konkreter man hinschaut, desto weniger ist von dieser viel besagten Luft in der Verwaltung drin.

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