Nicht das Ende, sondern der Anfang

Wir haben einen Abstimmungskampf verloren. Aber wir haben auch verändert: Uns selber, die Linke, die Politik und die Schweiz. Das ist ein Anfang.

Der Journalist vom Schweizer Fernsehen zeigte sich etwas irritiert. Nur gerade 10 Minuten vorher sind die ersten Abstimmungstrends eingetroffen, die allen klar machte: Die 1:12-Initaitive wird abgelehnt. Trotzdem war die Stimmung bei den 150 Leuten am Abstimmungsfest nicht niedergeschlagen oder desillusioniert, im Gegenteil. Der NZZ-Inlandchef bettelt in einer Kolumne regelrecht darum, dass wir uns frustriert und niedergeschlagen zeigen würden. Es tut mir leid Herr Zeller, dies sind wir nicht.

Wir sind nicht angetreten um zu verlieren. Wir wollten die 1:12-Initiative gewinnen und das ist uns nicht gelungen. Die Abzockerei, die Selbstbedienung von ein paar wenigen zum Schaden aller anderen, konnte durch Angstmacherei und eine teure Gegenkampagne noch einmal über die Runden gerettet werden. Die wachsende Ungleichheit ist vorerst nicht gestoppt.

Die Menschen an diesem Abstimmungsfest waren aus einem anderen Grund zufrieden und auch selbstbewusst: Wir haben den ersten Schritt einer Veränderung gemacht.

Während vielen Jahren haben die JUSOs einzig über Positionspapiere gebrütet und der grösste Kontrahent konnte der Sitznachbar sein; jetzt haben wir uns wieder unseren echten Gegnern angenommen: Den starken, reichen Parteien, die nur dann zur Hochform auflaufen, wenn sie auf sprachlose Minderheiten einzudreschen können. Dieser Politik stellen wir eine Alternative entgegen. Jene, in der die Wirtschaft nicht der Bereicherung von ein paar wenigen dient, sondern dem Wohlergehen aller Menschen.

Bereits im nächsten Frühjahr werden wir eine Initiative gegen die Spekulation mit Nahrungsmittel deponieren. Auch hier mit dem genau gleichen Grundanliegen: Wirtschaft und Politik müssen den Menschen dienen und nicht umgekehrt.

Diese Veränderung wird weder in Berner Partei- und Verbandsbüros, noch in Zürcher Redaktionen angestossen. Dafür braucht es jene Menschen, die schon immer Auslöser für Veränderungen waren: Menschen die sich aktiv in der Demokratie beteiligen. Und angesichts der über 30‘000 Leute die sich für die 1:12-Initiative engagiert haben, sind wir für die nächsten 20 Jahre entschlossen und selbstbewusst.

Uns war immer klar, dass wir einen langen Atem brauchen werden, um die Schweiz nachhaltig zu verändern. Wir lassen uns nicht von einer Abstimmungsniederlage stoppen, sondern werden im Gegenteil gemeinsam mit voller Kraft für eine gerechtere Wirtschaft, für mehr Demokratie und mehr Freiheit weiterkämpfen. Am 24. November 2013 haben wir verloren, aber das wird nicht immer so bleiben. Das Wirtschaftssystem der Millionensaläre und der Finanzspekulation wird keine Zukunft haben. Die 1:12-Initiative war nicht das Ende, sondern der Anfang dieses Kampfes. Und am Ende werden wir nicht nur verändert, sondern auch gewonnen haben – wir alle.

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