Liberal? - Lieber Herr Philipp Müller ...

Wenn Sie Ihre Partei in Ihrem Blog in den Himmel loben und als das einzig Richtige darstellen, dann ist das natürlich Ihnen überlassen. Wenn Sie aber die Grünliberalen als "Ettikettenschwindle​r" bezeichnen weil sie sich "liberal" nennen, dann ist das ein seltsamer neuer Stil der FDP, und ich möchte gerne kurz dazu Stellung nehmen.

"Etikett​enschwindel" ist, wenn man "liberal" sagt & "Wirtschaftsliberal​" meint.

Liberal heisst doch erstens, dass jeder so leben kann, wie es ihm am besten scheint, sofern er damit niemandem schadet. Warum, Herr Müller, setzt sich die FDP dann nicht schon seit Jahrzehnten zum Beispiel für die Rechte von LGBT ein? Wem schadet es, wenn zum Beispiel zwei Frauen in einer vollwertigen Ehe zusammenleben wollen? Die FDP scheint in diesen Fragen noch tief gespalten (ganz im Gegensatz zur glp).

Liberal heisst aber nicht einfach Wild West oder das Gesetz des Stärkeren. In einen Markt muss man eingreifen, damit er richtig funktioniert: Monopole müssen verhindert und aufgebrochen werden, und Insider dürfen ihren Informationsvorsprung​ nicht zum Schaden aller anderer ausnutzen.

Warum also, Herr Müller, hat die FDP die Abzockerinitiative nicht unterstützt? Es gibt ja zweifellos ein Problem mit einigen Managern und Verwaltungsräten, die ihren Informationsvorsprung​ schamlos ausnutzen, zum Schaden der Aktionäre. Liberal heisst hier, die Aktionärsrechte zu stärken. (Leider hat dies ja auch die glp abgelehnt, aber wenigstens mit viel weniger Engagement und Nein-Anteil als die FDP).

Die FDP hat zweifellos enorm grosse Verdienste in der Geschichte der liberalen, erfolgreichen Schweiz. Aber heute beschleicht mich das Gefühl, dass viele in der FDP das Wort "Liberalismus"​ nur noch als Vorwand benutzen, um die Privilegien weniger zu verteidigen.

Und jetzt gibt sich die FDP ja auch noch grün. Das ist wunderbar, aber sind das nur leere Worte, Lippenbekenntnisse, eine PR Kampagne, oder meint es die FDP damit wirklich Ernst? -

Zeigen wird sich das zum Beispiel daran, ob die FDP die liberalste aller grünen Initiativen unterstüt​zen wird, oder eben nicht: Die Grünliberalen haben ja eine Initiative, die WENIGER Staat bringt, und GLEICHZEITIG ein ökologisches Verhalten fördert. Umweltschutz vereint mit Liberalismus. Was passt besser zu den Ansprüchen der "neuen" FDP?

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