Nicolas G. Hayek. Ein Nachruf

Ich hatte das grosse Privileg, an seiner Seite aktiv sein zu dürfen und bin mit seinem plötzlichen Tod eines wachen Geistes, eines Visionärs, eines unverbesserlichen Optimisten, eines grossen und selbstlosen Vorbilds beraubt.

Keiner blieb kalt, wenn Hayek von seinen Visionen und Idealen redete. Er besass die plastische Kraft der Gedanken, welche seinen Visionen glasklare Konturen zu verleihen mochte, so dass nach seinen Ausführungen nur wenige an der Machbarkeit zweifelten. Dies überzeugte Mitte der 80er Jahre auch einen kleinen Kreis von Privatinvestoren, die alle beseelt waren, die schweizerische Uhrenindustrie zu retten. Faszinierend, wie er es schaffte, innert kürzester Zeit mit einer einfachen aber genialen Idee die Schweizer Uhrenindustrie zu retten. Er schuf mit Swatch die international bekannteste Schweizer Firma, war einer der erfolgreichsten Unternehmer des Landes, international bekannt und anerkannt.
Aber Hayek war noch viel mehr als das.

Hayek war zwar kein Parteimitglied der FDP, aber seit über 40 Jahren Parteiwähler. Er war ein Schweizer durch und durch und einem liberalen Geist verpflichtet. Davon zeugen nicht nur die Rütli-Aktion zur 1. August Feier im Jahr 2007, als er mich darum bat, mit ihm dafür zu sorgen, dass Errungenschaften und Werte dieses Land nicht mit Füssen getreten werden, sondern auch eine ergreifende Rede, die er im Jahr 2005 anlässlich eines FDP-Anlasses hielt. Obwohl sie bereits fünf Jahre zurück liegt, ist die darin enthaltene Botschaft immer noch aktuell:

Für die FDP empfand Hayek immer grossen Respekt und er betrachtete die Freisinnige Partei als jene politische Gruppe, die die moderne Schweiz ganz entschieden mitprägte und grösstenteils mitgestaltete. Die Schweiz war für ihn Heimat geworden und unsere Demokratie empfand er um einiges besser als jene unserer Nachbarn.

Die Aufgaben einer politischen Partei sah er nebst der Vertretung der Geisteshaltung und Meinung ihrer Wähler darin, sich für das Land einzusetzen, um in allen Belangen der Nation – Wirtschaft, Bevölkerung, Gesundheit, Kultur, Verteidigung, Wohlstand und vielen anderen – klare Zukunftsstrategien zu entwickeln und diese so zu gestalten, dass das Land sich optimal entfalten kann, mit dem Ziel, das höchstmögliche Glück für jeden zu ermöglichen. Unter Glück verstand er Freiheit, Unabhängigkeit – eingeschlossen die finanzielle Unabhängigkeit – Schönheit der Natur, Frieden für alle, Gesundheit und Sicherheit, um nur einige der wichtigsten Glücksfaktoren zu nennen. Er war auch der Meinung, dass das Volk eine Orientierung, eine Richtung braucht, nicht eine 100-prozentige Führung aber eine Zielrichtung und langfristige, solidarische, sogar idealistische Ziele für die Nation. Er fand, dass die FDP des letzten Jahrhunderts diese Funktion verstanden und erfüllt habe. Seit einiger Zeit bekundete er aber Mühe, eine klare Linie zu erkennen.

Seit jener Rede habe ich mit ihm immer wieder einmal über die Partei und deren Entwicklung gesprochen. Viele der von ihm damals angesprochenen Problemkreise wie häufiger Führungswechsel, Mangel an Profil, Kommunikation, unklare Strategie- und Parteiprogramm, Image etc., wurden deutlich verbessert. Wir arbeiten weiter hart daran, ganz im Sinne von Hayek.

Hayek war sich sicher, dass wir in der Schweiz mit echten Unternehmerinnen und Unternehmern (wobei diese nach seiner Definition nicht unbedingt selbständig arbeiten müssen, sich aber ganz klar von raffgierigen Managern unterscheiden), die fundamentalen Probleme der Arbeitslosigkeit, der Umwelt, der Vereinsamung und Beziehungslosigkeit vieler Menschen, der Gewalt und, wer weiss, am Ende vielleicht auch der Kriege lösen könnten, sofern sie den unternehmerischen Geist und die Qualität besitzen.

Hayek empfahl uns anlässlich seiner Rede, ein Steering Committee zu gründen, ausgerüstet mit erfahrenen, passionierten und fleissigen Persönlichkeiten, die all die wichtigen Detailaufgaben und Entscheidungen vorbereiten und im Namen der Partei verbreiten. Er war sich sicher, dass ein solcher Steuerungsausschuss den „Turnaround“ schaffen würde, so dass er bei den nächsten Wahlen wieder voller Stolz seine liberale Stimme der FDP geben könne.

Bei den nächsten Wahlen kann uns unser Freund seine Stimme leider nicht mehr geben. Seinem liberalen Andenken sind wir es schuldig, dass wir, die FDP, als Wegbereiter für die Unternehmerinnen und Unternehmer dieses Landes konsequent weiterkämpfen und einstehen. Nicolas G. Hayek, der Unternehmer mit Leib und Seele, hätte es so gewollt.

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