Rechthaber und Nestbeschmutzer

In der Eingangshalle des Bundeshauses stehen sie vereint, die Nationalhelden der Schweizer Geschichte. Da schwören die drei Eidgenossen von Uri, Schwyz und Unterwalden, sich in Zukunft gemeinsam gegen die «bösen Vögte» aus Habsburg zur Wehr zu setzen. Winkelried, der Held der Schlacht von Sempach und Symbol für Mut und Selbstaufopferung, sowie Niklaus von Flüe, Mitverfasser des Stanser Verkommnis und Sinnbild für Versöhnung und Bescheidenheit, beobachten die Szene von der gegenüberliegenden Seite.

Kompromiss und Einigkeit sind in der heutigen politischen Diskussion nicht mehr gefragt.

Man mag sich fragen, was das Grüppchen wohl von der aktuellen Politik in diesem Land halten mag. Oder gar, welche Persönlichkeiten bei einem Neubau des Bundeshauses in ferner Zukunft je ihren Platz auf dem Sockel einnehmen könnten. Denn Kompromiss und Einigkeit sind in der heutigen politischen Diskussion nicht mehr gefragt. Jene, die gemeinsam nach Lösungen für dieses Land suchen, werden als «Weicheier» beschimpft. Die eigene Ideologie sowie Eigeninteressen werden über die Interessen der Schweizer Bevölkerung und Wirtschaft gestellt.

So verfolgt Thomas Minder mit dem Eifer eines spanischen Inquisitors die Boni-Empfänger in diesem Land. Mit der Installation des schärfsten und kompliziertesten Aktienrechts der Welt sollen sämtliche Exzesse in Zukunft verhindert werden. Dass dabei auch die Schweizer Wirtschaft im Fegefeuer untergehen wird, spielt keine Rolle.

Da wäre aber auch ein Rudolf Strahm, der sich stets sympathisch gebende ehemalige Preisüberwacher, der offenbar aus reiner Freude, der Schweiz zu schaden, die Deutsche Linke anstachelt, das Steuerabkommen zu Fall zu bringen. Man mag gegen das Abkommen sein. Aber die Gegnerschaft im Ausland aktiv zu mobilisieren, gleicht einer Nestbeschmutzung. Aber die Rechthaberei ist ihm wichtiger als das Wohl des Landes.

Am 10. September beginnt die Herbstsession. Die Schweizer Politik kann froh sein, stehen die alten Helden in Stein gemeisselt und unverrückbar auf ihren Podesten und in ihren Nischen, sonst würden sie wohl beim einen oder anderen Politiker stark ins Wanken geraten.

Dieser Text erschien am 20. August als Politblog auf www.tagesanzeiger.ch

0 Kommentare


Diskutieren Sie mit!

Bei Politnetz legen wir Wert auf einen konstruktiven Austausch. Bitte bleiben Sie beim Thema und respektieren Sie andere Personen. Lesen Sie unsere Diskussionsregeln.


Mehr zum Thema «Staat»

zurück zum Seitenanfang