Arbeitende Mütter – was soll dieses «Mödeli»?

„In vielen Familien geht die Frau arbeiten, obwohl sich das finanziell gar nicht lohnt, nur weil es Mode ist." Mit ihrem Votum hat Politikergattin Silvia Blocher vergangene Woche der SVP-Familieninitiative das Wort geredet. Die SVP und ihre Übermutter wollen für die Eigenbetreuung der Kinder ebenso einen Steuerabzug geltend machen wie für die Fremdbetreuung.

Dabei verkennen sie: In der Schweiz gilt das Prinzip der Besteuerung nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit, und Steuerabzüge setzen entsprechende Ausgaben voraus. Und diese fallen bei der familieninternen Kinderbetreuung nicht an wie wenn Kinder fremdbetreut werden – es käme also zu Subventionen von rund 1,4 Milliarden Franken zugunsten von Einverdiener-Paaren gemäss Schätzungen der Steuerverwaltung. Der Anreiz zur Erwerbstätigkeit würde wegfallen. Dabei brauchen unser Land und unsere Wirtschaft Mütter, die ihr Wissen und ihre Erfahrung weiterhin in den Arbeitsprozess einbringen. Genau deswegen wurde 2011 der Fremdbetreuungsabzug eingeführt – damit Familien, die ihre Kinder fremdbetreuen lassen, steuerlich nicht mehr schlechter gestellt werden gegenüber Familien, die ihre Kinder selber betreuen. Mütter sollen sich beruflich verwirklichen können, wenn sie dies wollen. Aus persönlicher, finanzieller, betriebs- und volkswirtschaftlicher Sicht ist dies eine Notwendigkeit. Das hat nichts mit Mode zu tun, sondern mit Wahlfreiheit und Gerechtigkeit. Nun will die SVP mit ihrer Initiative das „Mödeli" der arbeitenden Frauen rückgängig machen. Dagegen stellt sich die FDP. Unsere Fraktion will, dass keines der verschiedenen Familienmodelle bevorzugt wird, sondern dass Eltern die Wahlfreiheit haben. Die „Familieninitiative" trägt zwar einen schönen Titel. Letztlich geht es aber darum, den Familien die Wahlfreiheit zu nehmen und den Fremdbetreuungsabzug durch die Hintertüre wieder abzuschaffen. Deshalb gilt es diese Initiative mit substantiellen Argumenten und grossem Effort zu bekämpfen.

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