Rückgrat im Ausverkauf! - Die eineinhalbjährige Chronik des UBS-Sponsorings korrekt auf den Punkt gebracht.

Es ist soweit. Nach dem Richtungsentscheid der Rekurskommission der Zürcher Hochschulen musste die Universität Zürich den Sponsoring-Vertrag mit der Grossbank UBS zu etwa 90% offenlegen. Mittlerweile kann man sich recht gut ein Bild davon machen, wie weit die erkaufte PR-Plattform für die UBS geht und wie willfährig sich gewisse Stellen der Universität Zürich dafür hingegeben haben.

Die JUSO Kanton Zürich hatte im April 2012 einen guten Riecher, in welche Richtung die ganze Sache in etwa gehen würde. Ob die von Ex-Rektor Fischer verteidigte Geheimhaltung oder die Aussagen von UBS-Verwaltungsrat Kaspar Villiger über die Förderung des Finanzplatzes Schweiz durch das Sponsoring, "für die Wissenschaft" war hier nicht das Motiv des Sponsorings.

Nun hat sich herausgestellt, dass eine Vermutung der JUSO und anderer KritikerInnen nicht zuzutreffen scheint: Nach dem Vertrag ist kein Punkt der Forschungs- und Lehrfreiheit berührt - im Gegensatz zu anderen Fällen aus Deutschland oder anderen schweizerischen Unis, wie wir im Frühling 2013 dokumentiert haben. Der Vertrag hält fest, dass der aus Vertretern der Privatwirtschaft bestehende (und völlig machtlose) 'Beirat' des Instituts für Volkswirtschaftslehre einen Sitz für die UBS reserviert (den hatte sie ohnehin schon), und dass der UZH völlige Autonomie in den Berufungen von Professuren bleibt, während die UBS Foundation, deren Beirat aus angesehenen Nobelpreisträgern besteht, entscheidet, welche sie sponsert und welche nicht. Auch das scheint in Betracht der Tatsachen nicht grade brisant, da ausserhalb des Vertrags von den Leitern des Instituts für Volkswirtschaftslehre schon eine Liste vorliegt, zu welchen Lehr- und Forschungsbereichen die UBS Foundation Lehrstühle bezahlen wird. Der Initiator des Ganzen, Prof. Ernst Fehr, hat das gleiche Manöver schon mit der Excellence Foundation durchgeführt und regiert auch dort mit eiserner Hand über die Inhalte. Wer Angst um Lehr- und Forschungsfreiheit hat, muss jetzt auf die Nominationsverantwortlichen achten.

Ganz anders sieht es bei unserem zweiten Kritikpunkt aus, der PR-Plattform für die UBS. Es ist wirklich äusserst bedenklich, dass Angestellte und ausgewählte Kunden der UBS vertraglich zugesichert privilegierten Zugang zu Veranstaltungen und Leistungen der Foundation haben. Dass sowohl das Kürzel UBS und ihr Logo wo immer damit verbunden an der UZH prangern müssen, selbst bei der Benennung von Vorlesungssälen, ist peinlich und untragbar. Und last but not least der fragwürdigste Punkt - Abschnitt 10 des Vertrages, "exclusivity": Die UBS selbst bekommt ein Quasi-Monopol im Sponsoring der UZH-Wirtschaftswissenschaften zugesprochen. Engagements anderer Firmen mit vergleichbarem Volumen und Sichtbarkeit sind strengstens untersagt, kleine Sponsorings von einzelnen Lehrstühlen müssen von der Bank bewilligt werden. Auch der wirtschaftsliberale Leiter des Instituts für Banking&Finance, Thorsten Hens, hat festgehalten, dass Befürworter eines wettbewerblichen Marktprinzips beim Sponsoring so etwas nicht gutheissen können. Ausserdem müssen auch die Volkswirtschafter kräftig zum Marketing der UBS beitragen - vertraglich festgelegt, versteht sich! Es fällt auf, dass der auf Banken sonst nicht gut anzusprechende Ernst Fehr sein Auftreten stark angepasst hat. Bei diesem Punkt zeigt sich, wieso Sponsoring sich negativ von anderen Spendeformen für wissenschaftliche Institutionen unterscheiden: Die UBS erwartet Gegenleistungen, die mit Wissenschaft nichts zu tun haben. Der Steuerzahler finanziert jetzt die modernen Plakatwände der Grossbank!

Der Deal scheint klar: Die Ökonomen der UZH behalten ihre Forschungs- und Lehrfreiheit und bekommen von der UBS richtig viel Cash, um sich zum Top-Standard auszubauen - die UBS darf sich dafür als Wohltäter der Nation an der Universität Zürich darstellen. Um die Korrektheit dieser Darstellung nachzuvollziehen und wie es dazu kommen konnte, muss man folgendes wissen:

Ernst Fehr will wie andere Top-Ökonomen in Mitteleuropa den Nobelpreis - zurecht! Seine Forschung hat die Ökonomik enorm weit nach vorne gebracht und die Paradigmen sehr weit weg von schwachmatischen Dogmen verschoben. Nur wird er dennoch nicht leicht an einen solchen Nobelpreis kommen, denn wie das Handelsblatt beleuchtet hat, fehlt ihm dafür vor allem eins - viel viel Geld! Es ist nicht von ungefähr, dass der Wirtschaftsnobelpreis fast nur an Amerikaner ging, selbst wenn deren wissenschaftlicher Leistungsausweis teils sehr gering war. Während in unseren Breitengraden viel Geld in technisch-naturwissenschaftliche Forschung fliesst, ist es dort die Ökonomik. Ernst Fehr weiss und argumentiert auch damit, dass einige wenige Universitäten in Europa überhaupt die Möglichkeit haben, mit amerikanischen Unis zu konkurrieren - und wenn sein Institut das soll, muss jetzt Kohle her. Dadurch dass er sich für einen völlig unbestechlichen Wissenschaftler hält, viel es ihm auch nicht schwer die UBS davon zu überzeugen, dass sie voll und ganz in ihn investieren soll.

Nun muss man sich fragen, wie ein einzelner Institutsleiter derartige Möglichkeiten bekommt, einen riesigen Sponsoring-Vertrag an Land zu ziehen. Der Grund ist die Universitätenwelt höchst selbst. Niemand anderes als die Unis und ihre sich als Manager verstehenden Leitungsgremien atmen schon seit Jahren den Geist des New Public Management, sehen sich als Pioniere der Amerikanisierung des Bildungssystems, als verlängerter Arm bürgerlicher Parlamente, die in der Bildung massiv einsparen. Sie - Menschen wie der Ex-Rektor Fischer - wollen ehrfürchtig als jene wahrgenommen werden, die das neoliberale Prinzip verwirklichen und Bildung als Dienstleistung verschachern - mehr Drittmittel, weniger Steuergelder, keine Denker, sonder massgeschneiderte Arbeitskräfte. Nicht alle, aber leider die mächtigsten Schaltstellen von Basel über Zürich bis St. Gallen denken so und machen es erst möglich, dass solche Verträge ohne demokratische Partizipation innerhalb universitärer Gremien zustandekommen. Ohne dass sinnvolle Regelungen, gegen ebenjene sich seit Jahren vehement wehren, korrekte Rahmenbedingungen für Spenden durchsetzen könnten.

Eine unbequeme Wahrheit, gerade für MitgenossInnen, die beim Ausspruch "UBS" reflexartig die Arme ausschlagen. Die Grossbank könnte mir im Moment viel eher Leid tun, dass sie in ihren PR-Abteilungen offensichtlich Dummköpfe beschäftigt hat. Die UBS versucht schon lange ihr miserables Image als vom den Steuerzahlern gerettetes Spekulantenpack, das sogar noch Steueramnestie geniesst, abzustreifen - jedes Mal lässt sie dabei kein Fettnäpfchen aus. Ich bin davon überzeugt, die UBS hätte sich einem ganz anderen Vertrag gefügt; einem, der klar gemacht hätte, dass an der Universität die Gesetze der Marketing-Welt keine Bedeutung haben. Es war nicht die "böse Grossbank", die die Universität zur Prostitution gezwungen hat. Es waren einige wenige Machtstellen der Uni, die aus verschiedenen Gründen dem ganzen Wissenschaftsbetrieb willig und billig einen Stempel aufdrucken liessen. Das Rektorat und deren Mitverantwortliche der Universität sind nicht die Opfer, sondern die Hehler!

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