Einstieg in den Ausstieg

Die Energiewende nimmt langsam Gestalt an: Energiestrategie 2050, Erhöhung der KEV, Bekenntnis zur Abschaltung des AKW Mühleberg. Nun braucht es verbindliche Abschalttermine nicht nur für das AKW Mühleberg, sondern auch für die weiteren vier Reaktoren. Es gilt, Klarheit und Planungssicherheit zu schaffen, auf dem Weg zu einer nachhaltigen Energiezukunft

Die Energiewende wird konkreter, und das ist gut so. Drei Ereignisse der letzten Tage manifestieren dies eindrücklich. Erstens: Die zuständige Kommission des Nationalrates ist mit 18:7 klar auf die Energiestrategie 2050 eingetreten. Zweitens: Das Referendum gegen die Erhöhung der Stromumlage für die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) ist gescheitert. Das heisst, 2014 und 2015 werden mehrere tausend Projekte im Bereich der erneuerbaren Energie auf der KEV-Warteliste deblockiert. Drittens: Die bernischen Kraftwerke (BKW) kommunizierten, dass das Atomkraftwerk Mühleberg «unter Einhaltung aller Sicherheitsanforderungen» bis 2019 nach 47 Betriebsjahren vom Netz genommen werden soll. Endlich: Das ist der Einstieg in den Ausstieg. Weiter heisst es in der BKW-Mitteilung wörtlich: «Zudem setzt der Verzicht auf einen Langzeitbetrieb finanzielle Mittel frei und erlaubt es der BKW, gemäss ihrer Konzernstrategie verstärkt in neue, alternative Produktionskapazitäten sowie in innovative Produkte und Energiedienstleistungen zu investieren.» Das sind neue Töne, die Massstäbe setzen. Selbst der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse zeigt sich einsichtiger als auch schon: «Neue Rahmenbewilligungen für Kernreaktoren sind unrealistisch und Investitionen unrentabel» las ich kürzlich auf einer Folienpräsentation des Verbandes.

Die Atomtechnologie lässt keine Fehler zu, weder bei der Stromerzeugung noch bei der Atommüllentsorgung. Unabhängig davon, welche Verkettung unglücklicher Umstände jeweils dazu führte, das atomare Restrisiko hat innert 25 Jahren zweimal zum Leid von Mensch und Umwelt zugeschlagen. Tschernobyl und Fukushima heissen die Mahnmale dafür. Und mit dem Atommüll hinterlassen wir kommenden Generationen für Jahrtausende eine teure und hochgiftige Altlast.

Die Herausforderung wird sein, die bisherigen 40 Prozent Atomkraft im schweizerischen Strommix schrittweise zu ersetzen. Gefragt sind zusätzliche Investitionen in die Energieeffizienz und in erneuerbare Energien. Es brauchtverbindliche Abschalttermine nicht nur für das AKW Mühleberg, sondern auch für die weiteren vier Reaktoren. Es gilt, Klarheit und Planungssicherheit zu schaffen, auf dem Weg zu einer nachhaltigen Energiezukunft. Ein Blick über die Grenzen zeigt, dass die Tage der teuren und risikobehafteten Atomkraft nicht nur in der Schweiz gezählt sind: Deutschland hat den stufenweisen Ausstieg aus der Atomenergie bis 2022 eingeleitet.In einer Referendumsabstimmung lehnte Italien 2011 die Rückkehr zur Atomkraft ab. Ende 2016 soll das französische AKW Fessenheim abgeschaltet werden, an dem auch Alpiq, Axpo und BKW beteiligt sind. In Österreich ging gar nie ein Atomkraftwerk in Betrieb. Holland und Polen haben ihre Pläne für den Bau eines neuen beziehungsweise ersten Atomkraftwerks aufgegeben. Es gibt auch Länder, die noch immer auf einen Ausbau der Atomenergie setzen. Die schweizerische Energiestrategie 2050 setzt stattdessen auf Energieeffizienz und die Förderung der Rahmenbedingungen für einheimische Energien wie Sonne, Wind und Wasser. Das macht uns unabhängiger von endlichen und umweltproblematischen Ressourcen wie Uran und Öl und ist auch eine Chance für den Denk- und Werkplatz Schweiz.

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