Lohnexzesse sind unschweizerisch

Aus lauter Panik, das Volk könne den Lohnexzessen ein weiteres Mal einen Riegel schieben, haben die Gegner von «1:12», wieder und wieder das «Erfolgsmodell Schweiz» bemüht, um ihre Argumentation zu stützen. Für sie ist eine Beschneidung der Lohnexzesse unvereinbar mit unserem Erfolgsmodell und würde das Risiko bergen, dass unser Land dasselbe Schicksal ereilt wie Frankreich, Griechenland und Nordkorea. Wenn man allerdings eingehender untersucht, was genau den Erfolg unseres «Modells» ausmacht, so ist ein Ja zu «1:12» die Lösung, die sich aufdrängt, um es beibehalten zu können und weiterhin prosperieren zu lassen. Denn das «Erfolgsmodell Schweiz» basiert auf Mässigung. Zahlreiche renommierte Schweizer Unternehmen sind auch ohne exzessive Löhne wunderbar wettbewerbsfähig. Victorinox (Lohngefälle 1:6), die Kantonalbank Glarus (1:10) oder Landi (1:10) sind bei Weitem die viel besseren Botschafter unseres Landes und seines Erfolgsmodells als die Handvoll Topmanager, die der angelsächsischen Schule huldigen, die Profit um jeden Preis propagiert. Weitere Botschafter des «Erfolgsmodells Schweiz» sind die Patrons unserer 300’000 KMU: Keiner hat einen exorbitanten Lohn, niemand zielt auf sofortige Gewinne, alle achten darauf, einen Grossteil ihrer Einkünfte zu reinvestieren.

Das «Erfolgsmodell Schweiz» beruht auch auf der gerechten Entlöhnung der Leistung. Dieses einfache Prinzip scheint der Handvoll Topmanager, die missbräuchliche Löhne beziehen, komplett fremd zu sein. Ob ihr Unternehmen gesund ist oder kränkelt, ob die Arbeitsplätze erhalten werden können oder nicht: Das spielt alles keine Rolle. Sie können so oder so auf eine Entlöhnung zählen, die nicht auf der Basis ihrer Kompetenz, ihrer Resultate oder ihres Engagements errechnet wurde, sondern in einem undurchsichtigen Pseudomarkt entstanden ist, in dem es von Interessenskonflikten nur so wimmelt. Schlimmer noch: Bevor sie überhaupt einen Schritt in die Firma getan haben oder wenn sie das sinkende Schiff verlassen, können sie sich an einem «golden hello», resp. einem goldenen Fallschirm erfreuen. Während der Patron eines KMU das Unternehmensrisiko selber trägt und im Falle eines Konkurses alles verlieren kann, hat diese Clique die Garantie, astronomische Summen beziehen zu können – egal, was passiert. Mit «1:12» können wir einem der entscheidenden Elemente des «Schweizer Erfolgs» den Rücken stärken: Einen Lohn gibt es nur, wenn tatsächlich eine Leistung erbracht oder ein echtes Risiko eingegangen wird.

Und schliesslich fusst das «Erfolgsmodell Schweiz» auch darauf, dass den Exzessen nicht freier Lauf gewährt wird. Die unternehmerische Freiheit ist durchaus gewährleistet, aber der Staat hat die Pflicht einzugreifen, wenn diese Freiheit aus dem Ruder läuft. Niemandem käme es in den Sinn, die Lohngleichheit von Mann und Frau oder die Massnahmen zur Bekämpfung des Lohn- und Sozialdumpings mit der Begründung zu verurteilen, sie würden die wirtschaftliche Freiheit einschränken. Ebensowenig sollte es vorkommen dürfen, dass Löhne bezogen werden, die derart exorbitant sind, dass sie zu einer Gefahr für diese wirtschaftliche Freiheit werden. Nach der Regelung der Löhne bei «Too big to fail»-Banken und den Vorgaben der «Minder-Initiative» kann das Volk mit «1:12» ein weiteres Mal daran erinnern, dass der missbräuchlichen Nutzung einer Freiheit ein Riegel geschoben werden muss.

Zum Schluss könnte man noch anfügen: Wenn die Gegner von «1:12» Flugblätter in Pfützen werfen und darauf herumtrampeln oder ein Gespenst mit Hammer und Sichel an die Wand malen und Unruhen in Städten heraufbeschwören, so vergessen sie dabei, dass das «Erfolgsmodell Schweiz» auch geprägt ist durch eine freundlich und respektvoll geführte demokratische Debatte, die auf dem Austausch von gut überlegten und besonnenen Argumenten basiert.

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