Arbeiten lohnt sich nicht…

…zumindest nicht, wenn man die Frau eines berufstätigen Mannes ist (oder umgekehrt), zwei Kinder hat, gut ausgebildet ist und deshalb auf ein einigermassen gutes Einkommen hoffen darf. Entscheidet sich eine solche Frau für den Beruf, entstehen der Familie Kosten, die den Zusatzverdienst schmälern oder sogar ganz auffressen. Gerade im Kanton Baselland katapultiert sich die Familie damit in eine Einkommensklasse, die vom Fiskus besonders hart rangenommen wird. Hinzu kommen die nicht subventionierten Kosten für die Kinderbetreuung, die bei Vollzeitbetreuung von zwei Kindern rund 60‘000 Franken pro Jahr ausmachen (zum Vergleich: Wenn die Kinder dann etwas älter sind und an der Universität rundum betreut resp. ausgebildet werden, kosten sie rund zwanzig mal weniger). Der Kinderbetreuungsabzug von 10‘000 Franken pro Jahr ändert wenig an dieser Situation, ist aber ein kleiner Trost. Aber selbst das findet die SVP stossend. Sie will deshalb den Abzug auch Familien zugestehen, die gar keine Fremdbetreuungskosten haben. Das wäre dann also wie ein Pendlerabzug für Heimarbeiter.

Die Initiative ist aber nicht nur absurd und würde zu Steuerausfällen von 1.4 Milliarden Franken führen. Sie provoziert leider auch völlig unnötige Debatten über verschiedene Familienformen. Dabei geht es doch gar nicht um Familienpolitik, sondern um Steuerpolitik, vor allem aber um Ressourcen des Arbeitsmarktes. Zum einen ist es volkswirtschaftlich nicht sinnvoll, wenn Frauen für teures Geld ausgebildet werden, um dann gar nicht im Arbeitsmarkt tätig zu sein. Zum andern ist die Wirtschaft dringend auf qualifizierte Arbeitnehmerinnen angewiesen, um dem drohenden Fachkräftemangel aufgrund der demografischen Entwicklung zu begegnen. Doch genau hier steuert die SVP in die Gegenrichtung, in dem sie mit der verdeckten Herdprämie die Frauen von der Arbeitswelt fernzuhalten versucht.

Damit der Wirtschaft trotzdem genügend Personal zur Verfügung steht, müsste das mit der Familieninitiative verspielte Arbeitsmarktpotential kompensiert werden. Da aber der einheimische Arbeitsmarkt nicht genügend hergibt, müsste vermehrt auf Rekrutierungen im Ausland gesetzt werden. Aber auch hier schiebt die SVP mit Ihrer Zuwanderungsinitiative einen Riegel und verschärft damit die Lage auf dem Arbeitsmarkt zusätzlich. All dies führt letztlich zur Frage, was an einem solchen Parteiprogramm noch wirtschaftsfreundlich sein soll.

0 Kommentare


Diskutieren Sie mit!

Bei Politnetz legen wir Wert auf einen konstruktiven Austausch. Bitte bleiben Sie beim Thema und respektieren Sie andere Personen. Lesen Sie unsere Diskussionsregeln.


Mehr zum Thema «Familie»

zurück zum Seitenanfang