Der braune Einschlag der CVP-Initiative "Für Ehe und Familie - gegen die Heiratssrafe"

„Die Ehe ist die auf Dauer angelegte und gesetzlich geregelte Lebensgemeinschaft von Mann und Frau. Sie bildet in steuerlicher Hinsicht eine Wirtschaftsgemeinschaft. Sie darf gegenüber andern Lebensformen nicht benachteiligt werden, namentlich nicht bei den Steuern und den Sozialversicherungen.“
Die CVP gibt an, es ginge hierbei nur um die Abschaffung der Heiratsstrafe, nicht um die Definition der Ehe an sich. Dies erscheint besonders lächerlich wenn man bedenkt, dass Art. 14 der Bundesverfassung im Kapitel „Grundrechte“ steht, nicht etwa z.B. unter Art. 116 im Kapitel „Wohnen, Arbeit, soziale Sicherheit und Gesundheit“, oder beim Kapitel „Finanzordnung“.
Warum aber die Ehe als „Gemeinschaft von Mann und Frau“ definieren? Auch hierauf weiss die CVP eine tolle Antwort: Sie definiere die Ehe gar nicht neu, so sei die Ehe eben damals vor 12 Jahren verstanden worden. Nur betrifft die CVP-Initiative nicht das Jahr 1999 sondern unsere Zukunft! Dass sich das Verständnis der Ehe im letzten Jahrzehnt – nicht nur in der Schweiz – massiv gewandelt hat, ist der realitätsfremden CVP offenbar entgangen.
Eine Gemeinschaft von Mann und Frau, die „auf natürliche Weise“ Kinder hervorbringt. Dies ist jedoch nicht die Definition einer Ehe im Sinne des christlichen Kreuzes, liebe CVP, sondern viel eher des Hakenkreuzes. Schade, dass die CVP diesen Unterschied hier nicht sehen kann oder will…
Die CVP koppelt ihre Ehedefinition gekonnt mit dem populären Nebeneffekt, dass Familien steuerlich nicht mehr gegenüber Konkubinatspaaren benachteiligt werden. Aber eben, dass die Entdiskriminierung der einen an die Untermauerung der Diskriminierung der anderen gekoppelt sein muss, ist äusserst bedauerlich und unnötig!
Laut CVP würden auch in „Eingetragener Partnerschaft“ lebende Menschen von der Initiative finanziell profitieren. Dieses Argument finde ich nun wirklich pervers: Homosexuelle sollen also de facto ein Eheverbot in der Verfassung gegen sich selbst befürworten, um weniger Steuern zahlen zu müssen? Das ist nichts weiter als ein billiger Bestechungsversuch.
Es gibt auch CVPler die mir ganz offen ins Gesicht sagen, dass sie beim Thema Partnerschaft nur deshalb eine „Eingetragene Partnerschaft“ wollen, damit diese nicht mit der vollwertigen Ehe gleichgestellt werden kann. Gerhard Pfister meinte dazu ja bereits: „Es war durchaus die Idee, unseren Standpunkt noch einmal klarzumachen.“ (Quelle: http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Ehe-und-eingeschriebene-Partnerschaft-sind-nicht-dasselbe/story/13134931 ). Obwohl mir die Verfassung heute das Recht auf Ehe garantieren würde, sieht die CVP darin kein Grundrecht, sondern ein Privileg für all jene Menschen, welche per Zufall heterosexuell geboren wurden.
Zuletzt möchte ich noch sagen, dass ich zu tiefst von unserer Landesregierung enttäuscht bin. Jene stimmt ohne mit der Wimper zu zucken dieser braun getünchten Initiative zu und nimmt dann nicht einmal Stellung wenn man sie auf die Diskriminierung anspricht. Sieht es der Bundesrat etwa gleich wie diejenigen die mir immer wieder sagen, ich solle nicht immer mehr fordern, ich werde als Schwuler ja schliesslich nicht mehr verfolgt und das soll mir doch genügen! Ich denke, dass das neue Parlament nach den Wahlen 2015 hier den einen oder anderen personellen Wechsel in unserer Exekutive vorzunehmen hat!

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