Nicht Fett macht dick, sondern mangelnde Wertschätzung

Das Bundesamt für Gesundheit sorgt sich um die hohe Rate an Übergewichtigen in der Schweiz. Immerhin ist sie in den letzten Jahren nicht noch höher geworden, aber trotz aller Gesundheitserziehung auch noch nicht zurück gegangen.

Politnetz macht nun eine Umfrage zum Thema. Soll die Schweiz eine Fettsteuer einführen? Muss sich der Staat mit Ernährungsempfehlungen an Männer ab 45 Jahren richten (bei diesen ist der Anteil Übegewichtiger am grössten - auch wenn sie als Kind schlank und sportlich waren!)? Wenn man die Debatte verfolgt, bekommt man das Gefühl, Das Körpergewicht sei alleine abhängig von der Ernährungsweise und allenfalls noch etwas vom Sport. Selten wird danach gefragt: Wovon hängt das Körpergewicht wirklich ab?

Erste Antwort: Von den Genen. Unbestritten gibt es Menschen mit zu hohem und beeinflussbarem Gewicht, aber zuerst einmal beruhen die Unterschiede zwischen gleich grossen Menschen auf der genetischen Information. Zweite Antwort: Von der Lebenslage und den Lebensumständen. Darauf haben wir sehr wohl einen Einfluss, darauf hat auch staatliches Handeln einen Einfluss. Das Stoffwechselsystem reagiert auf Lebensbedingungen. Beispiele: Wer schlecht schläft ist eher übergewichtsgefährdet. Schlafqualität ist eine soziale Kategorie: Lärmgeplangt sind zum Beispiel vorwiegend Leute in bescheidenen materiellen Verhältnissen. Belastungsstress als Folge mangelnder Wertschätzung dürfte ein bedeutender Faktor für ungesundes Körpergewicht sein: Wenn ich für das, was ich leiste - im Beruf, zu der Schule, zu Hause, in der Angehörigenunterstützung - nicht die adäquate Anerkennung bekomme, dann schlägt das auf den Magen. Dritte Antwort, und hier gibt es einen Bezug zu den Ernährungsgewohnheiten: Energiedichte Nahrung (fetthaltig und raffinierter Zucker) sind pro Energieeinheit viel billiger als Nahrungsmittel mit vielen Vitaminen und Nahrungsfasern. Wer aufs Geld schauen muss, kann "5x täglich" nicht gut einhalten, weil es dafür nicht reicht.

Fazit: Mehr Wertschätzung an der Arbeit, in der Schule und für familiäre Arbeit, bessere Wohnqualität sowie die Bekämpfung von Armut sind die besten Massnahmen zur Prävention von Übergewicht.

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