Für unsere Startups ein Nein zu 1:12

Rund $20’000 investierten meine beiden Geschäftspartner und ich in unseren Surf camp in Kalifornien. Damit kauften wir ein Auto, ein Dutzend Boards, Wetsuits und schalteten Werbung, um Europäern für einen Surftrip nach Kalifornien zu begeistern. Fünf Monate ist es her, seit die ersten Gäste ankamen und das Camp scheint ein toller Erfolg zu sein. Während meine beiden Partner davon leben müssen, verzichtete ich auf einen Lohn und bezog den symbolischen einen Dollar. Mit 1:12 ginge dies nicht.

Es ist keine Seltenheit, dass Gründer am Anfang auf einen anständigen Lohn verzichten. Um gute Mitarbeiter zu bekommen, setzt man schon einmal deren Gehalt höher an, als das Eigene oder investiert in die Werbung für mehr Kunden, finanziert Material statt eigene Ferien. Das ist o.k., weil man seine eigenen Träume verwirklicht. Soll da ein Gesetzt etwas dagegen haben? Klar, mit etwas Buchhaltungstrickserei auf fiktive Lohnsummen, kann man das Gesetz umgehen. Doch bin ich der tiefen Überzeugung, der Staat sollte keine Gesetze erlassen, die die Bürger zum Betrügen motivieren.

Aber über Ausnahmen?

Der eine oder andere könnte darauf hinweisen, dass im Gesetz Ausnahmen gemacht werden können. Dagegen gibt es zwei Einwände. Erstens ist nicht klar, ob es eine solche Ausnahme für Startups gibt. Zweitens, viel wichtiger, der Startuper erwartet durchaus Geld zurück, wenn das Unternehmen Erfolg hat.

Den wenigstens Startups geht es in erster Linie ums grosse Geld. Startups wollen ihre Träume verwirklichen. Wer einen Blick auf die kürzlich prämierten Top 100 Startups wirft, sieht Menschen, die ihr Hobby zum Beruf machten. Die von der Uni aus einen Spin-off gründeten, um Medikamente gegen Krebszellen zu entwickeln oder das Parkplatzproblem in unseren Städten lösen wollen. Ein Startup zu sein, ist eine Entscheidung für ein Lebensgefühl.

Damit verbunden ist auch, belohnt zu werden, wenn das Startup finanziell Erfolg hat. Klar, es ist eine grosse Befriedigung, wenn unsere Gäste im Camp riesig Freude haben. Wenn es aber in ein paar Jahren auch in der Kasse stimmt, möchte auch ich eine Belohnung für den Verzicht am Anfang erhalten. So geht es den anderen Startups ebenfalls. Wenn nach Jahren der Entbehrung, der Unsicherheit und viel Arbeitsaufwand sich der Erfolg einstellt, dann will man auch einmal mit mehr als 1:12 entlohnt werden. Nicht immer werden es die Besitzverhältnisse zulassen, dass die Gründer über eine Kapitalausschüttung sich ihre Belohnung bezahlen können, weil sonst andere Aktionäre profitieren, die es im Verhältnis weniger verdient haben. Darum sollte der Weg über den Lohn offen bleiben.

Um es ungeschminkt zu sagen, die Wahrscheinlichkeit, dass ein Startup auf die Nasse fällt, liegt bei 50%. Nur wenige Startups werden je in die Lage sein, dass sie sich 12x mehr bezahlen können. Aber - alle Startups träumen vom Erfolg. Dazu gehört auch die Möglichkeit, mehr als 12x zu verdienen. Für diesen Traum geht ein Startup all die Risiken ein und nimmt auch den Totalverlust in Kauf.

1:12 hat eine kleine Zielgruppe von Managern im Visier, gehört aber zu den Initiativen mit grossem Potenzial für Kollateralschäden. Darum ein klares Nein zu 1:12 - auch für unsere Startups.

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