Zweitjobs und höhere Pensen – weil das Geld nicht reicht

Obwohl in der ganzen Schweiz noch nie so viel Geld verdient wurde wie heute, reicht der Lohn bei vielen Haushalten nicht mehr zum Leben. 16.7 Prozent kommen sogar in Finanzprobleme, wenn eine ausserordentliche Ausgabe von 2000 Fr. wie zum Beispiel eine Zahnarztbehandlung auf sie zukommt.

Besonders betroffen sind Alleinerziehende. Fast die Hälfte von ihnen (44 Prozent) hat kein Geld auf die Seite legen können, um eine Reserve für Sonderausgaben zu haben. Die Mehrheit von ihnen dürften Frauen sein. Sie arbeiten mehrheitlich im Verkauf oder in anderen Dienstleistungsberufen. Viele von ihnen haben sogar eine Lehre gemacht. Weil der Lohn nicht oder kaum zum Leben reicht, suchen mache zusätzliche Arbeit. Beispielsweise eine Vollzeit- statt einer Teilzeitstelle. Das bedeutet auch, dass diese weniger Zeit für ihre Kinder haben, weil sie Geld verdienen müssen.

Die Situation hat sich in den letzten Jahren zugespitzt. Alarmierend ist, dass die Erwerbstätigen, die auf einen Zweitjob angewiesen sind, in den letzten Jahren gestiegen ist. Zu Beginn der 1990er Jahre hatten etwas über 4 Prozent der Erwerbstätigen mehrere Stellen. Heute sind es über 7 Prozent. Ebenfalls suchen heute viel mehr Teilzeitarbeitende eine Vollzeitstelle noch vor knapp 10 Jahren. Im vergangenen Jahr waren 130‘000 Teilzeitangestellte auf der Suche nach einer Vollzeitstelle. Im Jahr 2004 waren es noch 80‘000. Das entspricht einer Zunahme von über 60 Prozent. Wir wissen nicht genau, welche Personen sich hinter diesen Statistiken verbergen. Doch wir können davon ausgehen, dass viele von ihnen einen tiefen Lohn haben und deshalb ein höheres Arbeitspensum suchen.

Für diese Personen wäre eine andere Lösung des Problems einfacher und sinnvoller: Ihre Löhne müssten spürbar erhöht werden. Zum Beispiel im Detailhandel. Heute hat ein Drittel der Angestellten in Kleider- und Schuhgeschäften weniger als 4000 Franken Lohn im Monat (bei Vollzeit). Geld wäre aber genug vorhanden. Die Besitzer der grossen Geschäfte wie C&A oder Dosenbach sind Milliardäre. Selbst wenn sie höhere Löhne bezahlen würden, wären sie immer noch superreich. Die Produktivität im Detailhandel ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Doch leider haben die Verkäuferinnen und Verkäufer kaum etwas davon erhalten.

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