Keine Waffen, keine Verteidigung?

Frauen „kennen die Waffen nicht“ und „wissen nicht, damit umzugehen“ liess Verteidigungsminister Ueli Maurer gestern verlauten. Und erklärt sich so die höhere Zustimmung der Frauen zur Waffenschutz-Initiative. Sekundiert wurde der Verteidigungsminister in seiner Analyse von der obersten Schützin der Schweiz, Dora Andres. Die Frauen fürchten sich vor Waffen, weil sie diese nicht kennen, behauptet auch Dora Andres. Und unterstreicht ihre Sicht mit dem Hinweis, dass Frauen dafür „sehr gut mit Messern umgehen, was ein Mann vielleicht weniger gut kann und sich darum eher in den Finger schneidet.“

Die Analyse von Andres mag zwar humoristisch anmuten (und einiges über das eigene Rollenverständnis aussagen), ist aber offenbar durchaus ernst gemeint. Dora Andres will nicht nur den Frauen die Angst vor den Waffen nehmen, sondern auch den Jungen. In einem 10vor10-Beitrag kurz vor Weihnachten präsentierte Dora Andres die Idee von Werbekampagnen in Schulen. Zielgruppe gemäss dieser Aktion des Schweizerischen Schiessportverbandes: Schüler ab 8 Jahren. Denn es sei wichtig, dass man die Jungen an die Waffen heranführe und ihnen „eine richtige Waffe in die Hand gebe“. Damit diese nachher auch „wissen, wie man mit einer Waffe umgehen muss und was man darf, was nicht“, erklärt Dora Andres.

Wieso der Umgang mit der Waffe gemäss den Initiativgegnern gelernt sein muss, zeigen zwei heute in Le Temps vorgestellte gegnerische Kampagnen. Die eine zeigt einen Verbrecher und die Frage: Sollen nur Verbrecher Waffen besitzen dürfen? Und die andere verzichtet auf eine Frageform und bringt ihre Aussage gleich direkt auf den Punkt: Keine Waffen, keine Verteidigung. Die Botschaft hinter beiden Kampagnen ist die gleiche. Nein, natürlich sollen nicht nur Verbrecher Waffen besitzen dürfen. Auch alle anständigen Bürger sollten im Besitz einer Waffe sein. Denn wie sonst sollte sich dieser verteidigen können?

Wohin diese Argumentation führen kann, zeigte kurz vor Weihnachten ein tragischer Vorfall im Kanton Bern. Ein 32jähriger Mann wollte auf einem Bauernhof Hanf klauen. Der Bauer wehrte sich gleich selbst gegen den Angreifer, griff zur eigenen Waffe. Und erschoss den Mann. Dieses Beispiel zeigt eindrücklich, in welche Richtung die Entwicklung nicht gehen darf. Für den Schutz der BürgerInnen ist die öffentliche Polizei zuständig – und nicht der Bürger selber. Die Selbstverteidigung führt zu privater Aufrüstung, fordert zur Selbstjustiz heraus, bringt sie bei Überfällen oder in Gewaltsituationen selber in grösste Gefahr und gefährdet darüber hinaus andere Personen. Sie greift damit eine zentrale Voraussetzung des Zusammenlebens an: Der Umgang miteinander ohne private Gewaltandrohung. Waffenbesitz zur Selbstverteidigung bringt nicht mehr Freiheit. Sondern sie gefährdet die Freiheit.

Es ist klar: Waffen gehören ins Zeughaus. Oder in die Hände von Sportschützen und Jägern, die den sorgfältigen Umgang mit der Waffe gewohnt sind. Aber sicher nicht in jeden Haushalt.

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