Gleichstellung geht alle an – jeden Tag!

Die Schweiz, die so genannt älteste Demokratie, wurde erst vor 40 Jahren, mit der Einführung des Frauenstimmrechts zu einer wirklichen Demokratie. Als eines der letzten Länder, die das Frauenstimmrecht einführten. Deshalb wollten die Co-Präsidentinnen der Parlamentarierinnengruppe, dass am 8. März jede Fraktion eine Fraktionserklärung abgeben könnte. Die Idee war, die 40 Jahre Frauenstimmrecht am heutigen 8. März 2011, dem Internationalen Frauentag zu würdigen.

Leider hat die Mehrheit des Büros des Nationalrates anders entschieden und den Antrag abgelehnt. Der Präsident mache eine kurze Erklärung. Und: Nein, die Gleichstellung und die Lage der Frauen in der Schweiz und in der Welt sind nicht genügend wichtig, als dass man/frau den internationalen Frauentag speziell würdigt.

Es muss daran erinnert werden, dass es dabei nicht nur um ein historisches Bewusstsein geht, sondern auch darum die Gleichstellung der Geschlechter in der Politik, der Wirtschaft und der Gesellschaft umzusetzen. Erst wenn wir dies erreicht haben, vollendet sich der Akt, der erst vor 40 Jahren begann, als am 7. Februar 1971 621'109 stimmberechtige Männer JA gesagt haben. Und dann braucht es vielleicht auch keinen speziellen Tag mehr, an all dies zu erinnern.

Heute sollte der 8. März aber ein Grund zum Feiern sein, um den Kämpferinnen für die Rechte der Frauen zu danken und aufzuzeigen, was geleistet wurde und weiterhin zu leisten ist, um die Gleichstellung endlich und umfassend in Tat umzusetzen.

Aber es wäre auch eine Möglichkeit gewesen, im Saal des Nationalrats eine Momentaufnahme zu machen: Ich sehe zu meiner linken die Hälfte der Sitze mit Frauen besetzt, während ich sie zu meiner rechten regelrecht suchen muss. Wo ist DIE Frau? Es ist jene Rechte, die sich immer wieder gegen Gleichstellungsanliegen wehrt mit dem Argument diese seien bereits erfüllt. Wenn dem so wäre, würde wir es jedoch auch im Parlament sehen!

Eine Demokratie ist dann als solche zu bezeichnen, wenn sie die Bevölkerung repräsentiert. Bei 29 Prozent Frauenanteil hier im Nationalrat, die zudem vorwiegend aus linken Parteien stammen, kann davon wohl keine Rede sein.

Deshalb ist der 8. März wichtig, weil er eine Standortbestimmung ermöglicht, und der Antrag ging in diese Richtung Wir wissen jedoch: Umgesetzt werden muss die Gleichstellung jeden Tag!

Vor 30 Jahren hat das Schweizer Volk, diesmal mit den Frauen, den Gleichstellungsartikel in der Verfassung angenommen. Seit diesem historischen Ereignis sind viele Bausteine zu Gunsten der Gleichstellung von Frauen und Männer gelegt worden. Ich denke vor allem an das Gleichstellungsgesetz, das den Frauen eigentlich konkrete Instrumente in die Hand gibt, ihre Rechte in der Arbeitswelt einzufordern oder an des neue Scheidungsrecht – zwar nicht mehr so neu, es gilt schon seit 11 Jahren -, welches das Prinzip der Gleichstellung zwischen den Geschlechtern festschreibt.

Aber es gibt noch viel zu tun, heute, wo die Lohnschere wieder aufklafft, wo der Frauenanteil in den wirtschaftlichen und politischen Leitungsgremien noch sehr unterrepräsentiert sind, wo die Arbeitsteilung zwischen Frauen und Männern überhaupt noch nicht gerecht ist. Deshalb werden wir dann den 14. Juni auch dazu benutzen, an diese Tatsachen zu erinnern und mit verschiedenen Aktionen unsere Forderungen zu formulieren.

Wir wissen es: der Fluss fliesst nicht automatisch im Sinn der Gleichstellung. Deshalb müssen wir handeln, um eine Gesellschaft zu bauen, die jeder Person, Frau oder Mann, nicht nur die formelle Freiheit garantiert, sondern auch eine tatsächliche Möglichkeit gibt, den Weg zu wählen, gehört zu werden, eigene Talente zu leben und davon auch in Würde zu leben.

Der 8. März wäre DER Tag, an dies zu erinnern, und hätte mehr, als eine kurze Erklärung des Präsidenten verdient. Leider hat die bürgerliche Mehrheit anders entschieden.

0 Kommentare


Diskutieren Sie mit!

Bei Politnetz legen wir Wert auf einen konstruktiven Austausch. Bitte bleiben Sie beim Thema und respektieren Sie andere Personen. Lesen Sie unsere Diskussionsregeln.


Mehr zum Thema «Gleichstellung»

zurück zum Seitenanfang