Die Schweiz im Zentrum der Welt?

Die Schweiz hat 1992 entschieden ausserhalb der europäischen Baustelle zu bleiben. Angesichts der grossen ökonomischen, finanziellen und monetären Schwierigkeiten, in denen sich Europa befindet, gratulieren sich die Euro-Skeptiker zum Abseitsstehen und verlangen lautstark einen verstärkten «Alleingang». Die undeutliche Botschaft des Bundesrats hilft der Bevölkerung nicht, die aktuelle und reale Situation der Schweiz im Ballett der Nationen zu verstehen. Wie könnte es anders sein, wenn sieben Minister aus den verschiedensten Parteien mit einer Stimme sprechen müssen.

Die Welt ist globalisiert. Das Geschrei und die Mahnungen der Nationalisten und ihre Suche nach ausländischen Sündenböcken ändert daran nichts mehr und erinnert an eine Vogel-Strauss-Politik. Die letzte Legislatur lieferte den Beweis für unsere absolute wechselseitige Abhängigkeit: Nach einem National- und Ständeratswahlkampf 2007, der geprägt war von schwarzen Schafen und einer angestachelten Angst vor Fremden, endet sie mit dem Sturz von Mythen,
die man für unveränderlich gehalten hatte. Das Bankgeheimnis verschwand in wenigen Monaten unter äusserem Druck, die neutrale Schweiz musste Auseinandersetzungen mit einem libyschen Diktator ertragen, aus denen sie sich ohne die Hilfe ihrer Verbündeten in der EU und dem Schengen-Dublin Vertrag nie hätte retten können, und der Ausstieg aus der Atomkraft wurde möglich durch eine Katastrophe am anderen Ende der Welt.

Ganz egal, wie die eidgenössischen Wahlen ausgehen, die Probleme, die auf die Parlamentarier und auf den Bundesrat zukommen, werden eng mit den Weltproblemen verknüpft sein, besonders mit jenen Europas. Sich über die Schwierigkeiten von Europa und seinem Euro zu freuen, heisst zu vergessen, dass auch die Schweiz nicht ohne Krisen aufgebaut wurde; es brauchte eine gewisse Zeit, um ein Minimum von Solidarität einzurichten. Zudem: 60 Prozent der Exporten gehen in die EU, 80 Prozent Importe kommen von der EU – die Schweiz ist faktisch europäisch!

Welche Lösung für einen starken Schweizer Franken? Welche Verteilung der Reichtümer hier in der Schweiz, aber auch in den Ländern des Südens, in den Schwellenländern und in den längst industrialisierten? Welche Innovationen, um der Klimaerwärmung die Stirn zu bieten und und die energetischen Herausforderungen zu meistern? Welche Regelungen der Weltfinanz und des Bankensystems, um neue Weltwirtschaftskrisen zu verhindern? Wie sollen wir unser Verhältnis zur EU artikulieren, im Bewusstsein, dass die Bilateralen III am Nullpunkt
sind? Wo junge Leute und Arbeiter finden, die wir brauchen werden, um den demographischen Problemen und der Knappheit an Arbeitskräften, die unseren Wohlstand und das Wachstum gefährden, entgegenzuwirken?

Die geopolitische Ausgangslage hat sich geändert: Die Erde ist ein globales Dorf, dessen Zentrum weder die Schweiz, noch Europa ist! Die Herausforderungen sind enorm und verlangen unser ganzes Engagement. Nur eine offene und solidarische Schweiz
wird Antworten finden, um das Wohl ihrer Bewohner sichern zu können.

(Quelle: Politblog)

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