So kann man die Prämienlast für junge Familien senken

Mitte August präsentierte das Büro BASS eine Studie im Auftrag von santésuisse. Die Studie ermittelte die Prämienlast für 1000 Modell-Haushalte. Dabei zeigte sich, dass insbesondere Familien mit (vielen) Kindern und Jugendlichen überproportional belastet sind. santésuisse schlägt gezielte Massnahmen vor, um diese Haushalte zu unterstützen.

Anlässlich einer Medienkonferenz präsentierte santésuisse am 16. August 2013 die Studie «Gesundheitsreform – für tragbare Prämien», welche vom Büro für Arbeits- und sozialpolitische Studien BASS durchgeführt worden war. Ziel der Studie war es einerseits die aktuelle Belastung verschiedener Haushalte wie z.B. Singles, Familien mit Kindern, etc. durch die Krankenkassenprämien zu ermitteln. Andererseits wurde simuliert, wie sich diese Belastung ändert, wenn an einzelnen Steuerungsmechanismen Änderungen vorgenommen werden. Damit kann abgeschätzt werden, welche Massnahmen übermässig belastete Haushalte gezielt entlasten können und welche nicht.

Drei Lösungen zur Entlastung

Erstens soll der Risikoausgleich – vorzugsweise mit Morbiditätsindikatoren wie z.B. dem Medikamentenbedarf – weiter verfeinert werden. Dadurch werden gezielt ältere und kranke Versicherte entlastet, die Versicherer haben einen stärkeren Anreiz für bessere Angebote der integrierten Versorgung und die Steuerlast wird nicht beeinflusst. Zweitens soll der Prämienrabatt für Jugendliche (im Vergleich zur Erwachsenenprämie) auf 50% erhöht werden; zugleich muss dieser Rabatt im Risikoausgleich berücksichtigt werden. Dadurch werden gezielt Haushalte mit Jugendlichen entlastet. Vorteil: Die Solidarität bleibt unangetastet. Drittens soll bei der IPV eine zweite, höhere Einkommensgrenze eingeführt werden, welche zur Entlastung der Kinderprämien berechtigt. Dadurch werden gezielt Familien und Alleinerziehende mit Kindern unter 19 Jahren unterstützt, die heute überdurchschnittlich belastet sind (Mittelstand). Durch den bedürfnisgerechten Ausbau der IPV oder mit ihrem gezielteren Einsatz werden die Solidarität gestärkt und Entlastungen nach dem Giesskannen-Prinzip vermieden. Das Versicherungsprinzip und die grösstmögliche Kostenwahrheit bei den Prämien bleiben gewahrt, weil die Kinderprämien an sich nicht in Frage gestellt werden.

Heute unterschiedlich starke Prämienlast

Im Durchschnitt über alle Haushalte machen die Krankenkassenprämien (immer unter Berücksichtigung der individuellen Prämienverbilligung IPV) einen Anteil von 6.9% des verfügbaren Einkommens der Haushalte aus. Die Studie zeigt, dass vor allem Familien mit (vielen) Kindern bzw. mit Jugendlichen in Ausbildung stark belastet sind (8.0% des Einkommens). Ebenfalls stark belastet sind Haushalte mit Personen im AHV-Alter (8.0%), mit hohem Gesundheitsrisiko (7.7%) und des «unteren Mittelstands» (8.5%). Singles sind mit 6.0% am wenigsten belastet. santésuisse ist sich bewusst, dass eine zu hohe Prämienlast die Solidarität in der Grundversicherung belastet. Daher unterstreicht der Branchenverband mit Nachdruck, die in der Studie BASS vorgeschlagenen versicherungstechnisch korrekten Massnahmen zu Gunsten der am stärksten belasteten Haushalte. Nur dadurch kann die Solidarität gezielt gestärkt werden.

Dies ist ein Beitrag aus dem aktuellen Brennpunkt Gesundheitspolitik 3/13

Zur kompletten Studie BASS.

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