Fall Adeline M. - Nachdenken, wenn es um den Umgang mit Sexualstraftätern geht!

Schade, dass "inhaltsscheue" rechtspopulistische PolitikerInnen wie Natalie Rickli bei so tragischen Fällen immer die emotionale Hochflugsituation für sinnlose Repressionen nutzen wollen. Es ist schade, weil man so sich, den Opfern und ihren Angehörigen auf diesem Weg falsche Hoffnungen macht. Wieso soll man ohnehin psychisch kranke Menschen jahrelang im Knast verrotten lassen, sie nochmals auf die Gesellschaft loslassen und dann ihnen die Schuld geben, wenn sie neue Opfer fordern? Hier werden dann Verwahrungen gefordert, ohne sich auch nur einen Deut um die Behandlung des eigentlichen Problems zu kümmern.

Die Ansätze in Zürich sind besser. Verurteile Sexualstraftäter werden bei Verurteilung sofort in psychiatrische Behandlung gesteckt. Dann weiss man vor Ablauf der Strafe, ob solche Menschen selbst fähig für einen Neuanfang oder irreparabel gestört sind und verwahrt werden müssen. Ausbaufähig ist hier die Anwendung moderner psychologischer Erkenntnisse in der Behandlung. So werden z.B. in modernen Privatgefängnissen, die sich auf solche Erkenntnise abstützen und von rechts immer verächtlich als "Luxusgefängnisse" abgekanzelt werden, unter weit tieferen Kosten (!) unglaubliche Resultate erzielt, was Rücklaufquoten betrifft. Hier greift Resozialisierung als Vollzugsziel!

Und nein: Unser Justizsystem kümmert sich nicht zu sehr um die Täter (Jacqueline de Quattro), sondern kümmert sich zu wenig um die realen Ursachen sexueller Gewalt. Es ist verfehlt, einem verurteilten Vergewaltiger eine Horde an Experten an den Hals zu hängen und sich über Fehlschläge zu wundern, wenn nicht die Möglichkeit einer viel einfacheren aber tiefergehenden Behandlung in einer entsprechenden Umgebung besteht. Unser Justizsystem steckt noch zu tief im Irrglauben, dass Wegsperren irgendjemandem hilft. Wer glaubt, solche Dinge mit dem Knüppel einer repressiven Justiz regeln zu können, sollte sich mal fragen, wieso das schon im Mittelalter nicht funktioniert hat!

Jeder Sexualstraftäter ist nicht nur einer zu viel, sondern auch Beweis für die traurige Tatsache, dass sie erst in einer fehlbaren Gesellschaft so werden. Ein wirklich psychiatrisch ausgerichteter Vollzug ist nicht einfach nur Täterbehandlung, sondern Erkenntnisgewinn über die Ursachen solcher psychischer Störungen, die für eine wirksame Politik unerlässlich sind.

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