Man hatte mich danach gefragt, wie der zweistufige Proporz im Kanton Schwyz aussehen würde. Der folgende Beitrag rechnet die Kantonsratswahlen 2012 durch.

Anfang September hatte ich auf dem Politnetz den Vorschlag eines zweistufigen Proporzes veröffentlicht. Man hatte mich danach gefragt, wie die Resultate im Kanton Schwyz aussehen würden. Der folgende Beitrag rechnet die Kantonsratswahlen 2012 durch. Die Tabellen sind in meiner Dropbox (Link)

Wir benutzen dabei die offiziellen Daten des Kantons Schwyz2 mit folgenden Anpassungen:

  • Die Stimmern werden durch die Zahl der Sitze im Wahlkreis geteilt, um die Anzahl Wähler zu ermitteln.
  • In Schwyz wurde eine grüne Kandidatin auf der Liste der SP gewählt. Sie wird der SP zugerechnet. Es gibt deshalb keine Spalte GP.
  • Verschiedene Listen kandidieren nur in einem Wahlkreis. In den Einerwahlkreisen ist dies manchmal eine Person und nicht eine Liste. Abkürzungen wurden ad hoc zugeteilt
  • Unter Div sind Stimmen in Einerwahlkreisen gezählt, die an Einzelkandidaten vergeben wurden, die nicht auf einer Liste standen. Diese Stimmen werden bei der Verteilung von Restmandaten nicht berücksichtigt.

In der ersten Stufe wird die Anzahl der Vollmandate berechnet.

Der Teiler für jeden Wahlkreis ist die Anzahl der Wähler geteilt durch die Anzahl der Sitze.
Die Anzahl der Vollmandate ist die Anzahl der Wähler einer Partei, geteilt durch den Teiler und abgerundet.
Jeder Wahlkreis bekommt mindestens einen Sitz zugeteilt. Wenn es kein Vollmandat in diesem Wahlkreis gibt, dann erhält die Partei mit den meisten Stimmen den Sitz.

Letzteres ist der Fall in fast allen Einerwahlkreisen, aber auch in Sattel und Tuggen.
In der ersten Stufe werden 75 von 100 Sitze verteilt. Folgende Parteien erhalten Vollmandate: SVP 27, CVP 21, FDP 19, SP 7, s+k 1.

Dann werden die Restmandate in jedem Wahlkreis berechnet.

Das Restmandat ist die Anzahl der Wähler einer Partei, geteilt durch den Teiler des Wahlkreises, minus die Anzahl der Vollmandate.
Die Restmandate aller Wahlkreise werden für jede Partei zusammengezählt.

Nach der Summe der Restmandate werden die 25 verbleibenden Sitze auf die Parteien verteilt.

In der ersten Verteilung erhält jede Partei den ganzzahligen Teil der Restmandate als Sitze.

Div haben wir dabei nicht berücksichtigt. Dies ergibt 21 Sitze: 6 SVP, 7 CVP, 3 FDP, 5 SP.

Die übrigen Sitze werden nach der Reihenfolge des höchsten Bruchteils verteilt.

Die restlichen 4 Sitze gehen in der Reihenfolge des Bruchteils an die SVP, CVP, s+k und SP.

  • Die erhaltenen Sitze werden innerhalb der Partei nach der Reihenfolge der grössten Restmandate auf die Wahlkreise verteilt.*

Im Vergleich mit dem Wahlgesetz 2012 gewinnt die SP 2 Sitze und dabei je einen auf Kosten der SVP und auf Kosten der FDP.

Drei Sitzverschiebungen finden innerhalb von Wahlkreisen statt: Die SP gewinnt einen Sitz in Galgenen auf Kosten der SVP, und die CVP gewinnt je einen Sitz in Schübelbach und Wangen auf Kosten der SVP. Es gibt 8 Sitzerschiebungen zwischen den Wahlkreisen: Je einen Sitz zusätzlich erhalten Steinen, Rothernthurm, Tuggen und Freienbach. Je einen Sitz weniger erhalten Arth, Altendorf, Einsiedeln und Wollerau.

Es ist zu bemerken, dass drei der vier zusätzlichen Sitze an kleine Wahlkreise gehen. Es handelt sich dabei jedesmal um Wahlkreise, die sehr umstritten waren und das Resultat für das Vollmandat

Das Gesamtresultat liegt beim zweistufigen Proporz näher beim Wähleranteil als beim geltenden Gesetz. Beim Vorschlag ist die maximale Abweichung 0.8% und weniger als ein Sitz, beim Gesetz ist er 1.6%.

Simulation: Alle Parteien kandidieren überall

Die vorangehende Berechnung berücksichtigt nicht, dass heute Parteien wegen dem Wahlgesetz gar nicht in allen Wahlkreisen kandidieren, weil die Kandidatur in den kleinen Wahlkreisen aussichtslos ist. In der folgenden konservativen Simulation gehen wir davon aus, dass die nationalen Parteien in allen Wahlkreisen kandidieren und in den neuen Wahlkreisen die Hälfte ihres jetzigen Wahlanteiles machen. Der Einfachheit zählen wir die Wähler dazu. Dies ergibt folgende neue Wählerzahlen.

In der ersten Stufe wird die Anzahl der Vollmandate berechnet. In fünf weiteren Wahlkreisen wird ein garantierter Sitz zugesprochen (Muotathal, Riemenstalden, Innerthal, Reichenburg und Feusisberg). Statt 75 werden noch 74 Vollmandate vergeben. Die FDP erhält statt 19 nur 18 Vollmandate.

Dann werden die Restmandate in jedem Wahlkreis berechnet. Nach der Summe der Restmandate werden die 26 verbleibenden Sitze auf die Parteien verteilt. Der ganzzahlige Anteil der Restmandate ergibt 23 Sitze: 5 SVP, 6 CVP, 4 FDP, 7 SP, 1 BDP
Die restlichen 3 Sitze gehen in der Reihenfolge des Bruchteils an die CVP, s+k und SVP.
Die Sitze werden von den Parteien nach den höchsten Restmandaten auf die Wahlkreise verteilt.

Dies ergibt die definitive Sitzverteilung. Die SVP erhält 33 Sitze, die CVP 28, die FDP 22, die SP 14, BDP, s+k und Gisler je 1 Sitz.

Die Simulation zeigt, dass die SP wohl etwa 1.4% Wähleranteil und drei Sitze gewinnen würde, wenn sie nach dem zweistufigen Proporz in allen Wahlkreisen kandidieren würde. Die BDP gewinnt mit 1.4% Wähleranteil neu 1 Sitz. Dieser geht erwartungsgemäss an einen der grossen Wahlkreise.Die SVP hingegen würde 1.7% Wähleranteil und zwei Sitze verlieren, die CVP 1.1.% und einen Sitz. Die FDP verliert einen Sitz, obwohl ihr Wahlanteil stabil bleiben würde. Der maximale Unterschied zwischen Wähleranteil und Sitzanteil ist 0.9%
Gegenüber der ersten Berechnung ergibt sich ein Sitz für die BDP in Schwyz und ein Sitz für die SP in Altendorf, während die SVP einen in Rothenthurm und die CVP einen in Schübelbach verliert.

Sowohl die Berechnung an den Wähleranteilen 2012 wie die Simulation zeigen, dass es dem zweistufigen Proporz gelingt, eine gerechte Verteilung der Sitze auf die Parteien zu gewährleisten. Alle Minderheiten kommen auf ihrer Rechnung: Jeder Wahlkreis ist vertreten, sowohl kleine Parteien auf kantonaler Ebene sowie auf Gemeinedebene erhalten einen Sitz. Es gibt Sitzverschiebungen zwischen den Wahlkreisen, aber nicht systematisch von kleinen zu grossen Wahlkreisen. Kleine Wahlkreise sind ebenso oft Gewinner wie grosse.

Im Kanton Schwyz ist jede Gemeinde ein Wahlkreis. Dies ergibt 13 Wahlkreise mit nur einem Sitz und grosse Unterschiede zwischen der Wahlkraft in den Einerwahlkreisen. Während das Vollmandat bei den Wahlkreisen 3-10 Sitze von 381 bis 515 Wähler schwankt, gibt es bei den Einerwahlkreise die Extremwerte 37 und 750. Ein Wähler in Riemenstalden hat ein zwanzigfachiges Gewicht gegenüber einem Wähler in Rothenthurm. Dieses Gewicht wirkt sich beim vorgeschlagenen zweistufigen Proporz auch auf die Restmandate aus, da diese proportional anstatt absolut gerechnet werden. Man könnte auch in Betracht ziehen, mit Restwählern anstatt Restmandaten zu arbeiten. Dabei würde man aber das Risiko eingehen, dass die Abweichungen zwischen den Wahlkreisen grösser als einen Sitz sein können.

Das Wesentliche ist aber, dass alle Wähler berücksichtigt werden. Beim zweistufigen System tragen 99.5% der Wähler mit ihrer Stimme zu einem Sitzgewinn bei. Beim Wahlresultat 2012 gehen nach dem Wahlgesetz 6.2% der Stimmen verloren. Wenn man in der Simulation berücksichtigt, dass kleine Parteien in vielen Wahlkreisen nicht kandidiert haben, sind es sogar 13% der Wähler, die nach dem jetzigen Wahlgesetz nicht berücksichtigt werden.

Die Simulationen zeigen aber auch, dass die Kirche im Dorf bleibt. Es kommt nicht zu wesentlichen Sitzverschiebungen und wesentliche Mehrheiten bleiben Mehrheiten. Aber die Minderheiten sind durch den zweistufigen Proporz besser geschützt.

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