So dass sie sich auf ewig scheiden - wieso die Schweiz endlich ein Trennbankensystem einführen muss!

Der Nationalrat bringt sich mit einer "unheiligen Allianz" wieder ins Gespräch - ParlamentarierInnen der beiden linken Parteien und der SVP planen die Einführung eines Trennbankensystems in der Schweiz. Dieser Vorschlag muss weiter verfolgt werden, denn damals wie heute sind die Vermachtungsprozesse in der Finanzwirtschaft und das Klumpenrisiko der Banken die bedeutendsten Krisenfaktoren! Die Frage geht uns alle an, denn über Versicherung und Pensionskassen sind wir alle Teil des Kasino-Kapitalismus.

Doch was beudeutet "*Trennbankensystem*"?

Eine normale Bank besteht heute grob (d.h. auf das relevanteste beschränkte) aus 5 Bereichen: Dem Kundeneinlagegeschäft (Retail Banking), mit denen hauptsächlich Firmenkredite finanziert werden (Commercial Banking) - sie sind das klassische Zinsgeschäft - sowie aus der Vermögenswerwaltung für private Anlegende (Private Banking) und anlegende Organisationen wie Stiftungen, Sparkassen, etc. (Asset Management); das Kapital aus diesen Bereichen wird wiederum für das Handelsgeschäft (Investment Banking) verwendet. Hier gilt es zu erwähnen, dass das Handelsgeschäft wirtschaftshistorisch eine bedeutsame Entwicklung durchgemacht hat. Ursprünglich sollte das Investment Banking als Dienstleistung für Firmenübernahmen (Mergers & Acquisitions) und Firmenkapitalisierung zur Verfügung stehen, heute ist es ein riesiges Kasino mit Aktien, Anleihen und strukturierten Produkten, an dem vor allem Banken selbst auf ganzen hohem Zahlenniveau spielen.

Das ist Theorie und selbstredend sind diese Bereiche überhaupt nicht klar getrennt. Sowohl Informationen als auch Aufträge und handfestes Kapital bewegen sich bereichsübergreifend oder sogar explizit in nicht vorhergesehene Bereiche. Ein Trennbankensystem verlangt, dass Kundeneinlagen risikominim nur für Firmenkredite verwendet werden dürfen. Das Handelsgeschäft darf sich hingegen nur an Kapital bedienen, das risikowillige Anleger für eine Beratung auf Provisionsbasis der Bank zur Verfügung stellen.

Das erste Mal kam die Idee eines Trennbankensystems 1933 nach der verheerenden Wirtschaftskrise in den Vereinigten Staaten auf. Damals wurde mit dem "Glass-Steagal-Act" ein Gesetz geschaffen, das es verbot, ordentliche Kundeneinlagen für spekulative Anlagen an Finanzmärkten zu missbrauchen. Man muss wahrscheinlich kein Historiker sein, um darauf zu kommen, dass dieses Gesetz 1999 auf dem Zenit neoliberaler Wirtschafts- und Finanzpolitik wieder abgeschafft wurde (durchlöchert wurde es schon 20 Jahre vorher). Präsident Clinton machte den Anfang, George W. Bush schoss später weitere Regelungen in den Märkten für strukturierte Produkte und Hypotheken ab. Es ist unverkennbar, dass ein Trennbankensystem auch 2007/2008 vieles hätte verhindern können.

Wieso brauchen wir ein Trennbankensystem?

  • Die Banken haben (auch trotz unklarer Selbstregulierung und unfähiger Aufsicht) die Möglichkeit mit Kundeneinlagen zu spekulieren. Das ist ein Risiko, dass unbewusst letztendlich der Mittelstand trägt. (Das linke Argument)
  • Wenn Geschäftsbereiche nicht sauber getrennt sind, können Insider-Informationen ausgetauscht werden. Firmenkundenberater haben einen guten Einblick in die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens. Diese Informationen können leicht aber mit verheerenden Folgen ins Handelsgeschäft gelangen, wo mit den Aktien dieser Firma spekuliert wird.
  • Solange Banken die Möglichkeit haben, völlig verschiedene Finanzdienstleistungsbereiche in sich zu vereinen, bleiben sie too big to fail. Wir tragen deren Risiko, wenn sie hops gehen. (Das SVP-Argument)
  • Aus wissenschaftlicher Sicht bleibt die idiotische Querfinanzierung zu bemängeln. Wenn die sicheren Zinsen für die Kundeneinlagen aus der Spekulation statt aus Anlagen in die Realwirtschaft getätigt werden, werden Kundenbedürfnisse sträflich vernachlässigt.
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