Die freiwillige Miliz ist keine Illusion! Oft wird einfach das Wort "freiwillig" falsch verstanden...

In zahlreichen Debatten um die Wehrpflicht habe ich festgestellt, dass vielerorts falsche Vorstellungen von einer freiwilligen Miliz bestehen. Deshalb seien hier die grössten Fehlannahmen kurz richtiggestellt:

1. Freiwillige Miliz bedeutet nicht “gratis”

Niemand wäre so naiv zu glauben, dass man in der Schweiz mit Sicherheit genügend Leute Freiwillige findet, um eine ganze Armee zu alimentieren, wenn man nicht gewisse finanzielle Anreize setzt. Eine angemessene Entschädigung widerspricht weder der Freiwilligkeit (wie wir auf dem Arbeitsmarkt sehen) noch dem Milizgedanken (wie wir bei gut bezahlten Milizpolitikern feststellen).

2. Freiwillig bedeutet nicht “unverbindlich”

Dass niemand zum Militärdienst gezwungen werden kann bedeutet nicht, dass man sich jeden Tag nach Lust und Laune aus dem Dienst verabschieden kann. Auch Frauen leisten heute “freiwillig” Dienst. Dennoch müssen Sie sich für die ganze Dienstzeit verpflichten und sind danach genau wie die Männer an die Dienstpflicht gebunden. Ordnung und Disziplin gilt übrigens auch bei Freiwilligen. Es besteht also keine Gefahr, dass die Truppe den Kadern auf der Nase herumtanzt, weil Sie ja jederzeit den Dienst quittieren kann.

3. Freiwilliger Entscheid – Obligatorische Stellungspflicht

Insbesondere in der Einführungsphase der Freiwilligen Miliz muss die Armee die Möglichkeit haben, an die jungen Frauen und Männer heranzutreten und Ihnen die Vorzüge des Militärdienstes zu erklären. Deshalb soll auf Gesetzesstufe für alle Schweizerinnen und Schweizer eine obligatorische Stellungspflicht (eine Art Aushebung) vorgesehen werden, nach der sich jeder entscheiden kann, ob er Dienst leisten möchte. Wenn die Freiwillige Miliz zum Erfolg wird, kann diese Stellungspflicht für alle später wieder aufgehoben werden.

4. Freiwillig für den Dienstleistenden – nicht für den Arbeitgeber

Wer Militärdienst leistet hat heute diverse arbeitsrechtliche Ansprüche (Lohnfortzahlung, Kündigungsschutz, etc.). Wenn der Militärdienst freiwillig wird, heisst dies nicht, dass diese Vorschriften wegfallen. Der Dienstleistende wird weiterhin den selben Schutz wie bisher geniessen. An seiner Stellung gegenüber dem Arbeitgeber ändert sich rechtlich nichts.

14 Kommentare


Diskutieren Sie mit!

Bei Politnetz legen wir Wert auf einen konstruktiven Austausch. Bitte bleiben Sie beim Thema und respektieren Sie andere Personen. Lesen Sie unsere Diskussionsregeln.


Mehr zum Thema «Wehrpflicht»

zurück zum Seitenanfang
  • Copyright © Politnetz AG 2009–2017
  • Impressum
Release: production