Energieversorgung und Nullrisiko

Die Erschütterungen, die durch die Bohrungen im Rahmen des St. Galler Geothermieprojekts ausgelöst wurden sind, nicht nur tektonischer Natur, sondern sie haben auch das Vertrauen in die vermeintlich ungefährlichen, alternativen Energiequellen ins Wanken gebracht. Dies ausgerechnet zum jetzigen Zeitpunkt, wo die Atomkraft einen so schlechten Ruf hat, dass es sogar Bestrebungen gibt, die Forschung nach ihrer Weiterentwicklung zu verbieten, obwohl die Abhängigkeit von den AKW keineswegs gelöst ist und der Stromverbrauch konstant steigt. Zudem ist noch immer nicht absehbar, ob und wie die Energieerzeugung aus der Kernspaltung durch einen anderen Prozess ersetzt werden kann.

Einmal mehr zeigte sich, dass auch die Energiegewinnung nicht frei von Risiken ist und der St. Galler Stadtrat ist für seine Verantwortung nicht zu beneiden, über die Fortführung der Bohrungen entscheiden zu müssen. Harsche Kritik ist ihm in jedem Fall sicher, unabhängig davon, wie sein Beschluss ausfallen wird.

Innovative Projekte sind meistens mit Unwägbarkeiten verbunden, deren Tragweite allerdings sehr unterschiedlich sein kann. Obwohl es vermutlich für die Schweizer Mentalität, die sich gegen alles und jedes absichern will, ein Gräuel darstellt, ist es eine Tatsache, dass es ein Nullrisiko in solchen pionierhaften schlicht und einfach nicht gibt.

Dass unsere Gesellschaft grundsätzlich Null-Risiko anstrebt zeigt sich hoffentlich auch im Bezug auf aktuelle Sicherheitsfragen. Somit sollte klar sein, dass wir die Wehrpflicht im heutigen Rahmen beibehalten müssen. Nur so haben wir eine Armee, die eine Versicherung im Bezug auf die Sicherheit unsers Landes darstellt –Nullrisiko wird es aber leider auch in dieser Frage nicht geben.

Die Entscheidungsfindung durch das Abwägen von Chancen und Risiken, kombiniert mit der Bereitschaft zur Übernahme der Verantwortung für die Konsequenzen des gefällten Beschlusses ist die Eigenschaft, welche die Führungsqualität ausmacht. Das gilt nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch für die Politik.

Michael Götte
Präsident SVP-Fraktion
Gemeindepräsident Tübach

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