Ich bin gegen das Militär. Soll ich nun gegen die Wehrpflicht stimmen?

Liebe Freunde, ich bin Pazifist. Ich bin (nicht nur, aber auch aus religiösen Gründen) gegen Gewalt, gegen Waffengewalt und gegen das "Lernen" des Tötens. Ich bin nicht der Meinung, dass ich mich für dieses Land töten lassen muss (auch für ein anderes Land nicht), vor allem bin ich aber nicht der Meinung, jemand anderen für dieses Land töten zu müssen.

Kurz: Ich lehne das Militär ab, hierzulande und auch anderswo.

Wenn ich seinerzeit als diensttauglich befunden worden wäre, hätte ich verweigert (ziviler Ersatzdienst gab es damals in der Schweiz, Albanien und Weissrussland noch nicht) und wäre dafür wohl ins Gefängnis gekommen.

Ich werde niemals in meinem Leben eine Schusswaffe in die Hand nehmen und vor allem werde ich nie damit auf einen Menschen (oder Pappkameraden) schiessen. Punkt!

Hm, somit sind die meisten GsoA-Initiativen für mich relativ klar und benötigen nicht einer grossen Besinnung oder Bedenkfrist meinerseits.

Heuer ist es etwas anders. Ich kann der Beweihräucherung der GsoA und vieler linker Kreise betreffend der Abschaffung der Wehrpflicht nicht einfach so folgen.

Natürlich teile ich die Meinung, dass die Wehrpflicht eigentlich eine Frechheit ist. Die persönliche Freiheit ist in einem solchen Masse tangiert, wie wir dies sonst wohl nirgends im Alltag erleben können. Allerdings: der zivile Ersatzdienst mag nicht alles sein, aber er existiert doch (nach Albanien haben wir diesen auch noch eingeführt. Meines Wissens haben in Europa nur noch Weissrussland keinen Ersatzdienst, oder irre ich da?) D.h. wer keinen Dienst leisten kann oder will, der kann seinen Dienst am Vaterland anderweitig erfüllen? (Klammerbemerkung: wo bleiben bei der ganzen Geschichte die Frauen?)

So weit so ungut. Dennoch wird der grosse Teil der jährlich einrückenden Rekruten über einen halbwegs gesunden Menschenverstand verfügen und den Dienst tun, weil "man dies dem Land schuldig ist" oder "ich erfülle meine Pflicht, auch wenn es ein Scheiss ist", resp. "das meiste ist wohl Blödsinn, aber das eine oder andere habe ich doch gelernt!"

Wieso wird mir nicht unwohl, wenn ich einem Soldaten begegne? Weil ich weiss, er ist einer von uns. Er hat u.U. eine ähnliche Abscheu vor Schusswaffen, aber er tut halt seine Pflicht. Ich habe hohe Achtung vor diesen Menschen, denn ich könnte dies nicht.

Aber eben, jetzt die Frage, wer kommt dann nach der Aufhebung der Wehrpflicht?
Resp. wer meldet sich dann überhaupt noch zum Dienst? Im Gegensatz zu den USA, wo für viele unterprivilegierten Schichten der "freiwillige" Militiärdienst die einzige Aussicht auf eine qualifizierte Ausbildung darstellt, wären bei uns wohl nur noch die Rambos und Türsteher in der Armee.

Hm, ich brauche keine Armee. Aber solange die meisten von uns "normalen" Männern einrücken, habe ich eine gewisse Gewähr, dass dieses Kriegsspielen nicht überhand nehmen wird.

Wie sieht das die Politnetzgemeinde? Ganz egal ob für oder gegen Armee, würde mich interessieren, ob Ihr findet, meine Gedanken seien nachvollziehbar oder sind sie ganz abwegig?

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