Kaffeesatz lesen um die 1:12-Initiative zu verhindern

Die 1:12-Initiative schafft gerechtere Löhne. Niemand soll in einem Unternehmen in einem Monat mehr verdienen als jemand Anderes in einem Jahr. Die 1:12-Initiative will damit eine Entwicklung stoppen, die sich in den letzten Jahren rasant fortgesetzt hat. Während die realen Lohnerhöhungen der mittleren und tiefen Einkommen von Krankenkassenprämie, steigenden Mieten und indirekten Steuern weggefressen wurden, nehmen sich einige wenige immer mehr vom gemeinsam erwirtschafteten Wohlstand. In der Schweiz leben etwa 400‘000 „Working poors“, also Menschen, die trotz eines 100%-Pensums nicht genug verdienen, um davon leben zu können. Und gleichzeitig hat sich die Zahl der Lohnmillionäre, - Personen, welche in einem Jahr eine Million oder mehr verdienen – in den letzten 10 Jahren verfünffacht (Zahlen aus dem Verteilungsbericht des SGB von 2012). Das ist nicht nur an sich schon ein Skandal, es ist auch volkswirtschaftlicher Schwachsinn. Denn während die schlecht und normal Verdienenden ein immer kleineres frei verfügbares Einkommen haben, wissen die sehr gut Verdienenden nicht wohin mit ihrem Geld und legen es beispielsweise spekulativ in den Finanzmärkten an. Die Folgen dieser Entwicklung konnten wir in den letzten Jahren gut beobachten.

Bürgerliche Angstmacherei
Bürgerliche und neoliberale Wirtschaftsvertreter stören sich jedoch an der Vorlage und bauen mit Millionenhilfe der EconomieSuisse eine Gegenkampagne mit falschen Argumenten und Angstmacherei auf. Ein Argument, das immer wieder fällt, ist dasjenige der künftigen Steuerausfälle. Auch die BZ nahm es auf und publizierte dazu am letzten Samstag einen Artikel. Doch es wird schnell klar, dass es gar nicht möglich ist, genau auszurechnen, was die Initiative für Folgen bei den Steuern hätte, da völlig unklar ist, wie und ob die Lohnsumme umverteilt wird, mehr Unternehmensgewinne ausbezahlt werden etc. Kommt hinzu, dass, wie der Artikel richtig aussagt, reiche Leute ihre Einkommen bereits heute grösstenteils aus Dividenden und Immobilienerträge versteuern.

Verlogene Argumente
Was einem aber auffällt: Ausgerechnet jene Politiker und Wirtschafsvertreter, die ständig Steuersenkungen fordern und die mit der Unternehmenssteuerreform II für Steuerausfälle in Milliardenhöhe gesorgt haben, „sorgen“ sich jetzt um das Gemeinwohl.
Dabei kann man die Steuerrechnung durchaus auch in die andere Richtung anwenden. Nehmen wir dazu das Beispiel von Lindt&Sprüngli (Lohnverhältnis 1:219). Würde der CEO von Lindt & Sprüngli in einem Monat «nur» noch so viel verdienen, wie die am schlechtesten bezahlte Angestellte im ganzen Jahr, stünde genug Geld zur Verfügung, um sämtlichen 1’200 Mitarbeitenden eine monatliche Lohnerhöhung von 440 Franken zu gewähren. Wenn sie nun einige Franken mehr Steuern bezahlen müssen, bleibt ihnen immer noch deutlich mehr frei verfügbares Einkommen. Dieses können sie für den Konsum zusätzlich ausgeben und kurbeln damit auch den Binnenmarkt an.

Die 1:12-Initiative bietet eine wirkliche Lösung an
1:12 ist ein Instrument, um eine volkswirtschaftlich und gesellschaftspolitisch schlechte Entwicklung zu stoppen, der Mindestlohn und die Erbschaftsteuer gehören auch dazu. Es sind nicht diese Projekte, die unseren Wohlstand gefährden, es ist die immer ungleichere Verteilung des Reichtums, der Einhalt geboten werden muss. Sagen wir darum gemeinsam JA zu gerechten Löhnen und zur 1:12-Initiative.

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