Warum die 1:12 Initiative notwendig ist und bereits einen wichtigen Zweck erfüllt hat.

Ich gebe gerne zu ich war kein feuriger 1:12 Befürworter der ersten Tage. Eigentlich konnte ich Anfangs mit dieser Initiative überhaupt nichts anfangen. Was interessieren mich auch die höchsten Löhne, ich sah und sehe auch heute noch mehr Handlungsbedarf bei den Niedrigst- und Tiefstlöhnen.

Heute sitze ich in einem regionalem Komitee für die 1:12 Initiative und habe meine 1:12 Fahne auch aus meinem Fenster gehängt.

Warum eigentlich? Objektiv gesehen interessiert mich wirklich nur am Rande ob Ernst Tanner (CEO von Lindt&Sprüngli) 6.9 Mio CHF im Jahr verdient. Indem er in seinem Sessel rumsitzt und wahrscheinlich schon sehr lange nicht mehr in seinem Leben etwas richtiges gearbeitet hat.

Meiner Meinung nach kann er auch 10 MIO CHF abholen. Wenn das Verhältnis wenigstens einigermassen stimmen würde! Tut es aber nicht. In den letzten Jahren gab es bei uns normalsterblichen eine Lohnstagnation. Hat man uns jedenfalls immer erzählt, wirklich richtig ist das wir nicht Stagnation sondern (jedenfalls im unteren Lohnbereich) Lohnrückgang hatten.

Die 1:12 Initiative hat bereits jetzt einen wichtigen Zweck erfüllt. Löhne sind heute weniger ein Tabuthema als sie es vor 5 Jahren noch waren. Für mich ein Fortschritt, dass man endlich im grossen Rahmen und medial über Löhne und auch Leistung redet.

Doch was ist eigentlich die Realität in der Schweiz? Lohngleicheit zwischen Mann und Frau haben wir immer noch nicht. Löhne wo alle davon leben können? Davon Träumen viele Menschen in diesem Land. Es gibt viele wirklich viele Menschen in diesem Land die 100% arbeiten und bei der Sozialhilfe aufstocken müssen um über die runden zu kommen.

Na gut. Ihr mögt jetzt sagen es war Wirtschaftskrise, da müssen wir eben alle zurückstecken und Opfer bringen - doch ist das wirklich so?

Kleines Rechenbeispiel: Vom Jahr 2002 und 2007 wuchs das BIP um 11.3%. Die Reallöhne stiegen durchschnittlich um 2.3% bei den Spitzenverdiener um 80%. Also wir alle arbeiten für ein paar wenige - eigentlich krank.

Die 1:12 Initiative ist für mich in erster Linie eine grossartige Möglichkeit mich auf die Grundwerte der Schweiz zu besinnen. Auf unsere direkte Demokratie die uns, dem Volk die Möglichkeit die Spielregeln in unserem Land zu bestimmen.

Seit Jahren bestimmt die Wirtschaft unseren Kurs, wir leisten alle mehr, wir sind produktiver als alle umliegenden Länder, wir arbeiten alle Länger als die Leute in unseren umliegenden Ländern, und wir bekommen immer weniger, gleichzeitig bereichern sich ein paar wenige - ganz oben - immer mehr - ohne auch nur irgendwas produziert oder verkauft zu haben (dafür ist schliesslich das Personal da).

Wir haben im November die einmalige Gelegenheit dagegen vorzugehen. Es ist kein direkter Markteingriff, wir diktieren mit 1:12 keinem Unternehmen einen direkten Lohn. Grundsätzlich kann ein Unternehmer mit 1:12 immer noch massive Dumpinglöhne zahlen - wir können hier einfach nur für Verteilungsgerechtigkeit sorgen.

Ich werde im November Ja sagen. Ja zu 1:12 heisst für mich JA für eine Wirtschaft, in der wir gemeinsam arbeiten und auch gemeinsam profitieren. Nur wenn die Wirtschaft wieder solidarisch mit ihren Arbeitnehmern ist, können wir den Wohlstand in der Schweiz auch für zukünftige Generationen sichern und ausbauen!

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