Die freiwillige Miliz ist eine Illusion

Mit der Abstimmung vom 22. September entscheidet die Schweiz über eine Volksinitiative der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA). Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass Armeen ohne Wehrpflicht die grösste Mühe haben, genügend geeignetes Personal zu rekrutieren. Kommt hinzu, dass Hochqualifizierte bei einer Abschaffung der Wehrpflicht vom Militärdienst fernbleiben. Heute kann die Armee im Ernstfall flexibel auf eine durchmischte Reserve zurückgreifen, was in einer Berufsarmee oder Freiwilligen Miliz nicht möglich wäre.

Die freiwillige Miliz ist eine Illusion
Es ist eine Illusion, dass sich nur annähernd genügend, oder gar gleich viele Rekruten zur freiwilligen Dienstleistung melden würden, dies zeigen Beispiele aus dem Ausland. Weil sich für freiwillige Milizen oder Berufsarmeen nicht mehr genügend Freiwillige melden, wurden etwa in Spanien die intellektuellen Anforderungen bis zur Debilitätsgrenze gesenkt, in Großbritannien in Gefängnissen oder unter Obdachlosen rekrutiert und in den USA das Rekrutierungsalter bis auf 40 Jahre erhöht. Als Leutnant habe ich selbst erlebt wie es ist, wenn junge Bürgerinnen und Bürger teils zähneknirschend in den Militärdienst einrücken und mit aller Kraft versuchen, sich der Dienstpflicht zu entziehen. Hätte zu Beginn meiner Militärdienstpflicht jemand offeriert: „Wer will, der kann wieder nach Hause fahren, der Militärdienst ist ab sofort freiwillig“, so hätte mit Sicherheit ein Grossteil der Einrückenden rechtsumkehrt gemacht.

Die GSoA verfolgt andere Ziele
Besonders bedenklich ist auch, dass die GSoA mit ihrer Initiative andere Ziele verfolgt. So kann aus dem Flyer der GSoA zitiert werden: „Das Ziel der GSoA bleibt die Abschaffung der Armee. Aber um die Armee in ihren Grundfesten zu erschüttern, und gleichzeitig die Scheindebatte im Parlament rund um den Zivildienst zu entlarven, ist die Aufhebung der Wehrpflicht das geeignetste Mittel.“ Es ist also äusserst fraglich, ob mit dieser Initiative, die als Mittel zur Abschaffung der Armee erachtet wird, genügend qualifizierte Wehrdienstleistende rekrutiert werden können, damit keine negativen Auswirkungen für die Sicherheit der Schweiz und die Katastrophenhilfe entstehen.

Es steht also fest: Durch die allgemeine Wehrpflicht können genügend potentiell fähige Soldaten und Kader rekrutiert werden, die die Schweiz im Moment braucht. Nur mit dem heutigen Wehrpflichtmodell kann verhindert werden, dass die Rekrutierung von Minderprivilegierten oder Waffennarren zur Regel wird und damit auf Experimente wie in den USA, Spanien, oder Grossbritannien verzichtet werden kann. Deshalb sage ich klar Nein zur Aufhebung der Wehrpflicht.

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